Bibliothek und Archive

Historische Sammlungen

 


Inkunabeln und Werke aus dem XVI. Jahrhundert

Obsidionis Rhodie Urbis descriptio von Guillaume Caoursin

Die Magistralbibliothek verfügt über eine kleine, aber bedeutsame Sammlung von Büchern aus dem 15. Jahrhundert, den so genannten Inkunabeln. Dazu gehören:

*das Liber chronicarum von Hartmann Schedel (1493), die älteste illustrierte Weltgeschichte von der Schöpfung bis 1493. Sie wurde am 12. Juli 1492 in Nürnberg zunächst auf Latein veröffentlicht, anschließend ins Deutsche übersetzt und ebenfalls in Nürnberg am 23. Dezember 1493 erneut publiziert. Herausgeber und Drucker war Anton Kroberger, Pate von Albrecht Dürer. Die 1809 Holzschnitte wurden in der Werkstatt von Michael Wolgemut angefertigt (bei dem Dürer von 1486 bis 1489 Lehrling gewesen war);

*die berühmte Obsidionis Rhodie Urbis descriptio von Guillaume Caoursin (1496), ein illustrierter Band mit den Orationen und Kommentaren des Autors zu den Ereignissen nach der Belagerung von 1480, wie dem Tod von Sultan Mehmed II., dem Erdbeben von Rhodos und dem Leben des Prinzen Djem. Dieses Werk scheut keinen Vergleich mit anderen Beispielen historischer Texte, die zu politischen Zwecken geschrieben wurden;

*ein Exemplar des äußerst seltenen Breviarum secundum usum Ordinis Sancti Johannis hierosolymitani (1517). Im Generalkapitel, das am 1. Febraur 1510 in Rhodos stattfand, hatte Großmeister Fra’ Emery d’Amboise zusammen mit anderen Mitgliedern darauf hingewiesen, dass in verschiedenen Kirchen des Ordens das Offizium der kanonischen Stundengebete in verschiedenen Stilen zelebriert würde. Dies führte zu Verwirrung, wenn die Mitglieder dieser Kirchen am Gottesdienst in der Konventualkirche des Ordens in Rhodos teilnahmen. Aus diesem Grunde berief das Generalkapitel eine Kommission ein, um die Frage zu klären.

 

DIE PRIVATEN SAMMLUNGEN

Die Magistralbibliothek besitzt mehrere Sammlungen von Büchern und Abhandlungen aus dem Nachlass von Ordensmitgliedern. Sie sind im Online-Katalog aufgeführt:

- Sammlung John James Watts: Sir Watts, eines der Gründungsmitglieder der British Association, der für seine umfassende Bildung und Wissenschaft bekannt war, hinterließ dem Malteserorden eine Sammlung von ca. 500 Büchern, die zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert datieren, und einige seltene Inkunabeln.

- Sammlung Chignolo Po: Diese Sammlung, in ihrer Bedeutung an zweiter Stelle nach der von Watts, verdankt ihrem Namen dem Schloss in Chignolo Po, in dem noch heute ein beträchtlicher Teil der Büchersammlung der Familie Visconti aufbewahrt wird. Die Sammlung umfasst 325 Bücher über Literatur, französische Geschichte und Religion. Einige Bände zeichnen sich durch ihren kostbaren Einband aus.

- Sammlung Amabile Vella: Amabile Vella (1777-1831), Komtur und Vizekanzler des Malteserordens von 1812 bis 1831, hinterließ dem Orden eine bedeutende Sammlung historischer Bücher aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, hauptsächlich italienische und englische Literatur, darunter das Meisterwerk von Laurence Sterne The life and opinions of Tristram Shandy mit kostbaren Stichen.

- Sammlung Cesare Borgia: Diese Sammlung von nur 33 Bänden aus den Bereichen Physik, Botanik, Poesie und italienische Literatur, die im frühen 19. Jahrhundert veröffentlicht wurden – mit Ausnahme von Museo di fisica von 1697 – ist der Nachlass von Cesare Borgia (1776-1837), Justizritter und Kommandant der päpstlichen Armee.

- Sammlung Valeria Rossi di Montelera: Es handelt sich um eine nicht besonders umfangreiche Sammlung – kaum mehr als 300 Objekte –, die aber ihre Bedeutung den kostbaren französischen Einbänden verdankt, die zum Teil von unbekannten Künstlern, aber auch von einer bedeutenden Gruppe von Buchbindern angefertigt wurden, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tätig waren (Mercier, Chambolle-Duru, Marius Michel, Georges Canape, Victor Champs). Der Großteil dieser Bücher ist in französischer Sprache verfasst, was der Liebe von Gräfin Rossi di Montelera zu diesem Land zu verdanken ist.