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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta
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Nachrichten

Die ansprache des Grossmeisters an das Diplomatische Korps

Rom, 08/01/2013 


Der Großmeister, Fra´ Matthew Festing, hat heute das beim Souveränen Malteserorden akkreditierte Diplomatische Korps zum traditionellen Neujahrsempfang in der Magistralvilla in Rom empfangen.

Es folgt nachstehend die Ansprache des Großmeisters in vollem Wortlaut.

Herr Doyen, Exzellenzen, meine Damen, meine Herren,

ich freue mich, Sie heute anlässlich des traditionellen Glückwunschaustauschs zum Jahresbeginn, wegen der Restaurierungsarbeiten in unserer Kirche, ausnahmsweise hier in diesen Rahmen begrüßen zu können. Ich danke dem Doyen des Diplomatischen Korps, S. Exz. dem Botschafter Valladares Lanza, für die liebenswürdigen Worte, mit denen er mir Ihre Wünsche übermittelt und Ihre Wertschätzung für den Malteserorden und dessen Auftrag ausgedrückt hat.

Ich richte meine besten Wünsche an Sie alle, insbesondere an die Botschafter der Europäischen Union, von San Marino, der Elfenbeinküste, von Zypern, Spanien, Peru und Uruguay, die im abgelaufenen Jahr ihre Beglaubigungsschreiben überreicht haben.

Das Jahr 2012 war aus diplomatischer Sicht durch zwei bedeutsame Ereignisse gekennzeichnet, die ich gerne erwähnen möchte:

1) Ein neues Abkommen zwischen der Republik Italien und dem Souveränen Malteserorden, das den Status der bilateralen Beziehungen und die Anwesenheit des Ordens in Italien seit 1834 bestätigt, ist am 17. Mai vom Außenminister unterzeichnet und vom Präsidenten der Republik am 1. Oktober ratifiziert worden. Dieses Abkommen, das die Entwicklung der Ordensaktivitäten in den Bereichen Gesundheitsdienst, Soziales, humanitäre Aktivitäten sowie Zivilschutz und Nothilfe, in Zusammenwirken mit der Republik Italien, bekräftigt, bestätigt unsere hervorragenden Beziehungen. Ich möchte hier den höchsten Vertretern des italienischen Staates meine tiefste Anerkennung zum Ausdruck bringen.

2) Die im vergangenen Juni erfolgte Einrichtung bilateraler diplomatischer Beziehungen mit der Republik Zypern und, im Oktober, der erste Staatsbesuch S. Exz. des Präsidenten Christofias beim Souveränen Malteserorden. Es ist uns eine Ehre, auf diese wunderschöne Insel Zypern zurückkehren zu können, um gemeinsame Aktivitäten zum Erhalt und Schutz des multikulturellen und multireligiösen Charakters der Region entwickeln und gleichzeitig einen Beitrag zu Frieden und Stabilität in diesem Mittelmeerraum leisten zu können.

Auch wenn mein Gesundheitszustand es mir nicht erlaubt hat, alle Staatsvisiten und offiziellen Besuche, wahrzunehmen, die ich mir gewünscht hatte, so war ich doch besonders geehrt:

Im Februar zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik Österreich reisen zu können – ein Land, das uns besonders am Herzen liegt, wo der Malteserorden seit dem 12. Jhdt. vertreten ist und wo er eng mit der Regierung bei nationalen und internationalen Projekten zusammenarbeitet. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch die in Wien ansässigen Einrichtungen der Vereinten Nationen besuchen, wie die UNIDO, die UNODC sowie die CTBTO und die AIEA.

Im Juli nach Moskau zu reisen, wo ich die besondere Ehre hatte, vom und Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Seiner Heiligkeit Kyrill, empfangen zu werden. Wir haben verschiedene Fragen der Kooperation auf humanitärem und kulturellem Gebiet erörtert sowie insbesondere über die gemeinsame Sorge der fortdauernden Säkularisierung und religiösen Diskriminierung gesprochen.

Ich habe mich ferner gefreut, an den Eröffnungen zahlreicher bedeutsamer Ausstellungen teilnehmen zu können, die von unseren diplomatischen Missionen über die Geschichte und den Auftrag des Ordens veranstaltet worden sind. Diese Veranstaltungen haben mir Gelegenheit zu Begegnungen mit den politischen, religiösen und diplomatischen Vertretern dieser Länder gegeben, um so die bestehenden guten Beziehungen vertiefen und die Zusammenarbeit weiter verstärken zu können. Ich möchte insbesondere hervorheben die Ausstellungen:

– im Europäischen Parlament, in Brüssel;

– im Kreml, in Moskau;

– im Königlichen Schloss von Warschau, in Polen.

Im September folgten der Großkanzler, der Großhospitalier und der diplomatische Rat einer Einladung von Präsident Ma und seiner Regierung zu einem Besuch nach Taiwan, um die Möglichkeiten zu gemeinsamen Initiativen in Asien, Afrika und Südamerika zu prüfen.

Nach dem Staatsbesuch des Präsidenten der Republik Zypern, S. Exz. Demetris Cristofias, begleitet vom Außenminister, S. Exz. Erato Kozakou-Marcoullis, hatten wir die Ehre die hohen Vertreter von Liberien, Tonga, der Tschechischen Republik, von Panama, Russland, Rumänien, des Vereinigten Königreich, von Chile, Weißrussland und Slowenien zu empfangen sowie den Vizepremierminister und Außenminister von Belgien, S. Exz. Didier Reynders, zu begrüßen, um über die Entwicklung gemeinsamer Initiativen zu sprechen.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Orden im Verlauf des soeben zu Ende gegangenen Jahres eine Reihe von Kooperationsabkommen mit anderen Staaten abgeschlossen hat. Solche Abkommen sind wichtig, weil sie die die humanitären Aktivitäten erleichtern und die Entwicklung von Gesundheitsprogrammen und weiterer Initiativen fördern.

Im Jahr 2012 hat der Souveräne Malteserorden mit folgenden Staaten Kooperationsabkommen abgeschlossen: Frankreich, Ost-Timor, Belgien, Monaco, Republik des Kongo, Mozambique und Guinea.

Der Bereich unserer humanitären Aktivitäten

Das Jahr 2012 war gekennzeichnet durch zahlreiche Naturkatastrophen in unterschiedlichen Regionen der Welt, von der Dürre in Afrika zum Orkan Bopha auf den Philippinen, dem schrecklichen Sturm, der Haiti getroffen hat, und in Europa, wo Erdbeben in Italien, Schneefälle und Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa unauslöschliche Spuren im Land und bei den Menschen hinterlassen haben. In all diesen Fällen ist der Orden sofort aktiv geworden und hat Hilfe geleistet. Um nur vier zu nennen:

– In Haiti hat der Tropensturm Isaac im August schwere Überschwemmungen und Zerstörungen verursacht. Über 16.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. In der Region von Belle-Anse, eine der am dichtesten bevölkerten Regionen im Land, in der der Malteserorden bereits seit einigen Jahren präsent ist, wurden 70.000 Menschen vom Rest der Welt abgeschnitten. Über 4.000 Häuser sind zerstört, beschädigt oder fortgeschwemmt worden und die Familien haben ihre Ernten, den Anbau und ihr Vieh (ca. 30.000 Tiere) verloren. Nach den ersten Nothilfemaßnahmen, leistet der Orden, im Zusammenwirken mit den Einwohnern, weitere Hilfe.

– Auf den Philippinen hat der Orkan Bopha Tod und Zerstörung gebracht mit über 400 Toten und 400 vermissten. Etwa 50.000 Menschen befinden sich noch in Auffanglagern. Insgesamt sind 5 Millionen Menschen von dem Sturm betroffen. Die philippinische Assoziation des Ordens hat sich, zusammen mit Malteser International, umgehend dem Notfall gestellt und 1.200 Lebensmittelpakte und Haushaltssets an Familien in den am stärksten betroffenen Regionen, Dumaguete City, Cagayan de Oro und Comostela Valley, verteilt. Der Wideraufbau ist jetzt die vordringliche Sorge und der Orden hilft hier bei der Beschaffung der notwendigsten Materialien.

– In Italien haben im Mai zwei schwere Erdbeben die Region der Emilia Romagna erschüttert mit Toten, Hunderten von Verletzten und über 15.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Das italienische Hilfskorps des Malteserordens – CISOM – hat, zusammen mit dem Militärkorps der italienischen Assoziation des Malteserordens, eine Zeltstadt für die Erdbebengeschädigten eingerichtet. 700 freiwillige Helfer haben dort den Menschen für 4 Monate geholfen.

– Im Norden von Kenia, ein Jahr nach der verheerenden Dürre, der eine schwere Hungersnot am Horn von Afrika folgte, arbeitet das internationale Hilfswerk des Malteserordens daran, durch Nahrungs- und Wassermangel auftretenden Krisen vorzubeugen indem es den Menschen hilft, sich auf künftige Dürreperioden einzustellen.

Der Auftrag des Malteserordens, den Benachteiligten in der Gesellschaft zu helfen ist vielfältig und verwirklicht sich durch zahlreiche Aktivitäten auf der ganzen Welt, von der Altenhilfe über den Betrieb von Krankenhäusern in vielen Ländern Europas und Afrikas bis hin zu Nothilfe und Rehabilitation. Erlauben Sie mir, auf zwei Bereiche unserer Aktivitäten näher einzugehen, die 2012, bedingt durch die Wirtschaftskrise, zunehmend an Bedeutung gewonnen haben: das Problem der Obdachlosen und der Flüchtlinge, die die gesamte Gesellschaft betreffen; die Notwendigkeit den Hungernden und Obdachlosen zu helfen hat stark zugenommen.

Der Malteserorden leistet seinen Beitrag, um die Notlage der vielen Obdachlosen und Flüchtlinge zu lindern indem er die unterstützt, die ohne Dach und Heimat sind. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen:

– In ganz Deutschland unterhalten wir 13 „Tagesheimstätten“, wo wir an Obdachlose Decken, Schlafsäcke, Kleidung und Mahlzeiten austeilen, ärztliche Untersuchungen, Rasier- und Duschmöglichkeiten anbieten. So können wir etwa 3.000 notleidenden Menschen in Berlin, Hildesheim, Hamburg, Köln, Paderborn und Freiburg helfen. Außerdem wurden „Partnerschaftsläden“ gegründet, um an Obdachlose und Arme Kleidung ausgeben zu können. 2012 haben wir auf diese Weise etwa 28.000 Menschen helfen können.

– In Frankreich läuft das Projekt für die Obdachlosen ohne Unterbrechung das ganze Jahr über. Der Malteserorden unterhält auf der Seine zwei Wohnschiffe: Le Fleuron Saint Jean, das 2012 eine Rekordauslastung von 98% mit über 13.470 Gästen gesehen hat, und Le Fleuron Saint Michel mit über 6.600 Gästen. Im Winter sind in Paris und in den Vororten in der Nacht Teams auf den Straßen unterwegs, die sich der Obdachlosen annehmen. Ein gleiches Hilfsangebot gibt es in Versailles, Bourges, Annecy, Toulon, Nantes und Toulouse.

– In Belgien haben sich unsere Hilfsstellen 2012 in Brüssel und Lüttich um über 17.000 Obdachlose gekümmert und jeden Gast eine kostenlose medizinische und zahnärztliche Untersuchung, einen Kleiderwechsel, einen Haarschnitt und eine warme Mahlzeit geboten.

– In Italien wird den Obdachlosen in Mailand, Rom und Neapel eine abendliche Betreuung geboten, bei der sie eine Mahlzeit und Decken erhalten. In den beiden Anlaufstellen in Rom sind 2012 an die Obdachlosen über 17.000 warme Mahlzeiten ausgegeben worden. In 8 Sozialzentren in Rom werden an die Bedürftigen Mahlzeiten und Bedarfsgüter verteilt.

Zahlreiche ähnliche Projekte laufen in Spanien, Ungarn, Bulgarien, Litauen, Russland, Moldawien, Ukraine und auch außerhalb von Europa.

– In Kuba, beispielsweise, wurden 2011 und 2012 mit Hilfe von Freiwilligen örtlicher Pfarreien an Arme 800.000 Mahlzeiten in den 60 Mensen ausgegeben, die von der kubanischen Assoziation des Malteserordens, mit Sitz in Miami, finanzierten werden. In den großen Städten von Australien hat der Malteserorden 2012 über 2000 Winterjacken an die Obdachlosen verteilt.

Die Obdachlosenhilfe bezieht auf internationaler Ebene auch die Flüchtlinge mit ein,

die in letzter Zeit im Mittleren Osten, Afrika und Asien viel zu leiden hatten.

– Aus Syrien sind Flüchtlinge in unser im Norden des Libanon gelegenes medizinisches Zentrum gekommen, nach Khaldieh, 40 Km von Tripoli entfernt, wo wir derzeit 500 Familien betreuen.

– In der Türkei betreut das Hilfswerk des Malteserordens während des Winters etwa 8.000 syrische Flüchtlinge in zwei Provinzen. In Damaskus haben wir 15.000 Menschen mit Hilfspaketen versorgt.

– Im Norden von Burkina Faso hat der Orden durch seine französische Assoziation, in Zusammenarbeit mit Malteser International, über 55.000 Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsgebiet in Mali betreut und Krankentransporte aus den Flüchtlingslagern in die umliegenden Krankenhäuser oder nach Ouagadougou organisiert.

– An der Grenze zwischen Myanmar und Thailand leistet der Orden in zwei Flüchtlingslagern medizinische Hilfe für mindestens 35.000 Menschen, die vor lokalen Kriegswirren geflohen sind.

Das sind nur einige Beispiele direkter Konsequenzen aus Arbeitslosigkeit, Armut und Bürgerkriegen, die nicht nur unannehmbares Leid für die Opfer sondern auch einen großen Verlust an menschlicher Schaffenskraft bedeuten. Nur wirkliche Solidarität kann hier als Gegenmittel helfen. Die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag „Selig die Friedensstifter“, nach den Worten Jesu, finden starken Wiederhall bei den Ordensmitgliedern, die ihren Auftrag gemäß den acht Seligpreisungen leben, die sich symbolisch im achtspitzigen Malteserkreuz finden. Die Solidarität kann im Dialog gefördert werden – wie der Papst gestern in seiner an Sie gerichteten Ansprache gesagt hat – „sie steht nicht mehr zur Wahl sondern ist eine Notwendigkeit“, um stabile Friedensbedingungen zu schaffen, damit die Gesellschaften gedeihen können. In diesem Zusammenhang möchte ich zwei Ereignisse des Jahres 2012 in Erinnerung rufen, die zum interkulturellen Dialog beitragen:

Zunächst möchte ich die lobenswerte Initiative erwähnen, die im vergangenen Dezember der UN-Flüchtlingskommissar, Antonio Guterres, ergriffen hat: zum allerersten Mal sind in Genf Religionsführer und Experten, Diplomaten, Mitarbeiter des Kommissariats und Fachleute aus dem humanitären Bereich mit Vertretern religiöser Organisationen zusammengekommen, um darüber zu beraten, welchen Beitrag die unterschiedlichen religiösen Werte zum Schutz der Flüchtlinge leisten können und wie die humanitäre Lage von Millionen von Flüchtlingen und Staatenlosen verbessert werden kann. Unser ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen in Genf hat an der Tagung mit 400 Delegierten teilgenommen und die volle Unterstützung dieses neuen Dialogs durch den Malteserorden zugesichert.

Die zweite Initiative, die hier erwähnt zu werden verdient, ist die im vergangenen November in Wien erfolgte Eröffnung des „Internationales Zentrum für den interreligiösen und interkulturellen Dialog König Abdullah bin Abdulaziz“. Das Zentrum, dessen Gründung auf eine Initiative von Saudi-Arabien, Österreich und Spanien zurückgeht – und an dem der Heilige Stuhl als Gründungsbeobachter beteiligt ist – hat sich zum Ziel gesetzt, das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Religionen zu verbessern. Es soll aber auch eine geeignete Diskussionsplattform zur Thematisierung von Situationen sein, bei denen die Religions- und Gewissenfreiheit nicht geachtet oder ausreichend geschützt wird. Mit ganzem Herzen begrüße ich diese Initiative, die dem Dialog zwischen Moslem, Juden und Christen dient.

Die bedeutendste Friedensbotschaft war zweifellos die Reise Seiner Heiligkeit Benedikt XVI im vergangenen September in den Libanon. Der Malteserorden ist im Libanon stark vertreten, mit seinen 12 medizinischen Sozialstationen – einschließlich des bereits erwähnten Zentrums in Khaldieh, das derzeit die syrischen Flüchtlingsfamilien kostenlos betreut. Wir waren tief beeindruckt von der Ermunterung des Heiligen Vaters, der in einer so entscheidenden Situation, nach seinen vorangegangenen Reisen in die Türkei, nach Israel, Jordanien, in die Palästinensischen Territorien und nach Zypern, nochmals in den Mittleren Osten kommt, um die Christen zu bestärken und die Notwendigkeit der Koexistenz zwischen den Religionen zu betonen.

Mit seinem an die Regierungsmitglieder und an das Diplomatische Korps gerichteten Grußwort hat der Papst mit Worten um die Religionsfreiheit gebeten, die ich hier wiederholen möchte: „Man darf nicht vergessen, dass die Religionsfreiheit die Grundlage ist, von der viele andere Regelwerke abhängen. Die Freiheit, die eigene Religion zu bekennen und auszuüben, ohne Gefahr für Leib und Leben, muss für jeden einzelnen gewährleistet sein. … Die Religionsfreiheit hat eine soziale und politische Dimension, die unerlässliche Voraussetzung für den Frieden ist!“

Da die Verteidigung der Religionsfreiheit – im Sinne von Schutz – auch Teil des Auftrags des Malteserordens ist, als religiöser Laienorden der katholischen Kirche, hat unser Kanzleramt seit 2007 ein ehrgeiziges Projekt zum Schutz und Erhalt des kulturellen und religiösen Erbes insbesondere im Mittelmeerraum in Angriff genommen. Ein Unternehmen, das wir, zusammen mit anderen internationalen Organisationen, auf einer Reihe von Konferenzen vorantreiben, um unser Engagement für eine Lösung zu unterstreichen.

Im März haben wir zusammen mit der Europäischen Kommission ein Seminar über den „Schutz der Heiligen Stätten des Mittelmeeres, ein Beitrag zum interkulturellen Dialog“ abgehalten. Es hat in Brüssel im Palais Berlaymont stattgefunden unter der Leitung von Präsident Barroso. Erörtert wurden verschiedene Wege, um über den Schutz des kulturellen und religiösen Erbes den interkulturellen Dialog zu vertiefen und so zur Stabilität und friedlichen Entwicklung im Mittelmeerraum beizutragen.

Die Debatten waren engagiert und interessant. Lassen Sie mich einiges darüber berichten: die Bedeutung des interkulturellen Dialogs für den Schutz der Heiligen Stätten ist von Charles Tannock, Mitglied des Europäischen Parlaments, hervorgehoben worden, der ein stärkeres Engagement und Interesse seitens der EU bei der politischen Lösung der religiösen Auseinandersetzungen um die Heiligen Stätten eingefordert hat.

Der Großmufti von Bosnien-Herzegowina hat, unter Hinweis auf das Drama von Sarajevo, gesetzliche Regelungen vorgeschlagen, aber gleichzeitig darauf hingewiesen, dass es zwei Sachverhalte gibt, in denen solche Regeln nicht greifen: in der Liebe und im Krieg. Seiner Ansicht nach ist es aber erforderlich festzuhalten, dass die Zerstörung geistigen und kulturellen Erbes ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Professor Abou Moussa Ramadan hat auf die Verbindung zwischen Heiligen Stätten und Menschenwürde hingewiesen, ein wichtiges Band, weil es diese Heiligen Stätten damit auch in die religiöse Freiheit einbindet. Es handelt sich um Grundrechte. Der Rabbiner Bemporad hat sich dafür ausgesprochen, dass nach einer Möglichkeit gesucht werde, die Heiligen Stätten in Stätten der Versöhnung umzuwandeln.

In seiner Eigenschaft als Europakommissar für Erziehung und Kultur hat S. Exz. Androulla Vassilou zu recht angemerkt, dass „als Prozess der interkulturelle Dialog nicht leicht zu führen ist. Er darf nicht nur auf der Basis von Absichtserklärungen und Reden geführt werden, sondern muss die Menschen dazu bringen, an bestimmten Projekten oder Aktivitäten mitzuwirken, die einen realen Anreiz bieten, an dem man wachsen kann“.

Das war der Grund dafür, dass der Malteserorden im November, zusammen mit dem Außenministerium von Zypern, der UNESCO und der EU-Kommission, eine Folgekonferenz über den „Schutz und die Bewahrung des kulturellen Erbes im Mittelmeerraum“ in Limassol, in Zypern, organisiert hat. Dabei haben wir versucht, die Prinzipien für eine gemeinsame Erklärung über den Schutz und die Förderung der Heiligen Stätten zu definieren. Ich kann nicht anders, als mich ganz mit einem Berichterstatter des Forums einverstanden erklären, mit Msgr. Sanchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, der gesagt hat: „Wenn wir den Frieden pflegen wollen, müssen wir die Schöpfung und das kulturelle Erbe schützen!“

Damit will ich diese Grußbotschaft abschließen und Ihnen für Ihre stete Unterstützung und Mitarbeit danken. Ich entbiete meine herzlichsten Glückwünsche Ihnen und Ihren Familien für das Jahr 2013 und hoffe viele von Ihnen am 9. Februar wiedersehen zu können, wenn wir den 900ten Jahrestag der Begebung der Bulle am 15. Februar 1113 durch Papst Paschalis II. begehen. Wir erwarten etwa 3.500 Teilnehmer, Mitglieder, ehrenamtliche Helfer und Gäste aus aller Welt, die mit uns dieses Ereignis feiern werden. Verehrte Botschafter, Sie sind alle eingeladen, sich uns anzuschließen, um diesen Jahrestag in der St. Petersbasilika in Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. und von Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, zu würdigen, worauf sich ein Empfang in der Aula Paul VI. anschließen wird.

Verehrte Botschafter und ehrwürdige Mitglieder des diplomatischen Korps, nehmen Sie meine aufrichtigen Wünsche für die Nationen entgegen, die Sie vertreten, für Ihre Familien und für die Mission, die Ihnen anvertraut worden ist.

Fra´ Matthew Festing

die ansprache des grossmeisters an das diplomatische korps 5

Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Magistralpalast, Via Condotti, 68 – Rom - Italien

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