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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Nachrichten

Auf der Flucht vor Verzweiflung und Angst

Lampedusa, 08/06/2014 


Ein Reisebericht nach Lampedusa über die Arbeit des freiwilligen Hilfskorps des Malteserordens

Von Marianna Balfour

Die Verzweiflung hat ihre Spuren an den Armen von Giada hinterlassen, eine junge sizilianische Ärztin, die sich in Lampedusa als freiwillige Helferin des Malteserordens bei der Hilfe für die Migranten engagiert. Es ist ein Abend im Frühling, in der Dämmerung. Die Luft an Bord der ATR 300 der Küstenwache ist kühl und alle haben wir Schutzwesten mit langen Ärmeln an. Wir befinden uns auf einem Motorboot, das den mit Migranten überladenen Kähnen zu Hilfe eilt, um zu hören, was die freiwilligen Helfer zu berichten haben, die sich Tag für Tag mit dem Moment konfrontiert sehen, in dem Angst zu Hoffnung wird, für den, dem sich nach einer langen gefahrenvollen und erschöpfenden Reise starke und erfahrene Arme helfend entgegenstrecken. Die Hämatome an den Armen von Giada Bellanca sind das beredte Zeugnis einer menschlichen Erfahrung, die die 33-jährige Ärztin ein Leben lang begleiten werden.

Mit ihr zusammen ist auch Maria Grazia Mazza, auch eine junge Ärztin des italienischen Hilfsdienstes des Malteserordens, die sich entschlossen hat, den weißen Arztkittel abzulegen und ihre Zeit denen zu widmen, die „vor der Verzweiflung und der Angst“ fliehen.

„Deine Augen sind die ersten, in die sie blicken, und in deinen Augen suchen sie Hilfe“, sagte uns die junge sizilianische Ärztin. Sie ist es, die, zusammen mit Krankenpflegern, Spezialisten und Helfern, uns von einer Alltäglichkeit berichtet, die aus nächtlichen Rettungsaktionen, aus improvisierten Spielen mit einem gerade noch dem Tod entronnenen Kleinkind besteht, um es zu beruhigen, die uns von geretteten syrischen Ärzten berichtet, die, sobald sie sich einigermaßen erholt haben, dem an Bord befindlichen Ärzteteam mit Geschick und Können helfen.

Hier, in diesem türkisfarbenen Meer, in dem sich um uns herum Delphine tummeln, fällt es einem schwer zu glauben, dass sich hier eine Jahrhunderttragödie abspielt: zwanzigtausend menschliche Körper liegen auf dem Grund dieses wunderbaren Meeres. Die Gefahr, Schiffbruch zu erleiden, hält die Flüchtenden nicht davon ab, sich aufs Meer zu wagen. Im Gegenteil, die letzten offiziellen Angaben sind unmissverständlich: in den ersten Monaten des Jahres 2014 hat sich die Zahl der angelandeten Migranten wegen der anhaltenden Kriegssituation in Syrien und der Lebensumstände in den Regionen der Subsahara um 800% erhöht

Die letzte Rettungsaktion der unter den Namen „Mare Nostrum“ laufenden humanitären Operation, galt 17 Booten und 2.500 Menschen. Sie liegt nur wenige Stunden zurück.

Angesichts dieser Notlage geht der Einsatz des italienischen Hilfskorps des Malteserordens ohne Unterbrechung weiter. Auf jedem Boot der Küstenwache, des Zolls und der Marine, die als Rettungseinheiten im Einsatz sind, sind ehrenamtliche Helfer mit dem achtspitzigen Kreuz mit an Bord: ein Arzt und ein Krankenpfleger, die den aufgenommenen Migranten Erste Hilfe leisten. Die Arbeit der Helfe des Ordens hat sich mit der Schaffung der Operation Mare Nostrum verändert: an Bord der seit dem vergangenen März vor Sizilien kreuzenden Marineeinheiten sind die Ärzte des Ordens wechselweise im Einsatz, genutzte Synergie zwischen den staatlichen Hilfsdiensten und dem Hilfskorps des Ordens, das mit seinen medizinischen und humanitären Erfahrungen den Küstenschutz und die Zolleinheiten unterstützt.

„Wir sehen unsere wesentliche Aufgabe darin, Solidarität zu vermitteln: neben der medizinischen gibt es auch die psychologische Hilfe“, erklärt Mauro Casinghini, der nationale Leiter des Hilfskorps, der inzwischen in Lampedusa sein Zuhause aufgeschlagen hat.

„Diesen Menschen zu helfen, das bedeutet auch, dem eigenen Leben einen Sinn geben. Es bedeutet, ihre Hoffnungen wahrzunehmen, ihre Ängste zu spüren, in ihren Gesichtern zu lesen, was sie durchgemacht haben, was sie jetzt empfinden. Es ist etwas ganz Besonderes, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, was sie in ihren Herkunftsländern erlebt haben, was sie auf dem Fluchtweg erlebt haben, der Hunderte von Kilometern im Süden von Libyen beginnt, auf dem sich Dramen aller Art abspielen, bis hin zu wirklicher Gewalt“, sagt Casinghini.

Die freiwilligen Helfer des Malteserordens sind seit 2008 auf der sizilianischen Insel. Seither haben sie etwa 5.000 Menschen helfen können, darunter vielen Kindern und schwangeren Frauen. Denkwürdig war vor allem der Hilfseinsatz nach dem Schiffbruch vom 3. Oktober 2013, nur wenige Meilen vor der Küste von Lampedusa, bei dem das Ärzteteam von Psychologen unterstützt worden war, die nicht nur den Überlebenden Beistand leisteten, sondern auch den Helfern, denen sich das Erlebte unauslöschlich ins Gedächtnis geprägt hat.

auf der flucht vor verzweiflung und angst

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