{"id":42624,"date":"2014-10-31T14:49:46","date_gmt":"2014-10-31T13:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/irak-nach-der-eigenen-flucht-im-einsatz-fur-vertriebene-mitburger\/"},"modified":"2023-01-16T15:33:05","modified_gmt":"2023-01-16T14:33:05","slug":"irak-nach-der-eigenen-flucht-im-einsatz-fur-vertriebene-mitburger","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/irak-nach-der-eigenen-flucht-im-einsatz-fur-vertriebene-mitburger\/","title":{"rendered":"Irak: Nach der eigenen flucht im einsatz f\u00fcr vertriebene mitb\u00fcrger"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-42624","news","type-news","status-publish","hentry","news_categories-hilfe-fur-fluchtlinge","news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","news_categories-nachrichten"],"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":33117,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/31_10_2014.jpg"},"news_content":"<p><strong>Zwei irakische \u00c4rzte berichten \u00fcber ihre Arbeit im mobilen medizinischen Team<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDr. Nagham H. (44) und Dr. Sinan M. (41) mussten am 6. September 2014 gemeinsam mit ihren Familien aus Bakhdida (Karakosch) fliehen, nachdem ihre Stadt von den radikalislamistischen K\u00e4mpfern des IS eingenommen worden war. Sie suchten Zuflucht in Erbil, wo sie nun zusammen mit anderen Fl\u00fcchtlingen und Vertriebenen leben. Da Nagham und Sinan \u00c4rzte sind, ist es f\u00fcr sie selbstverst\u00e4ndlich, dass sie ihren ebenfalls vertriebenen Landleuten helfen. So arbeiten sie nun in dem mobilen medizinischen Team von Malteser International und seiner irakischen Partnerorganisation TCCF (Turkmeneli Cooperation and Cultural Foundation) und stellen so eine Basisgesundheitsversorgung f\u00fcr die Vertriebenen in der Region sicher.<\/p>\n<p><strong>Wie sah Ihr Leben aus, bevor Sie fliehen mussten?<br \/>\n<\/strong>Vor der Einnahme unserer Stadt durch IS war unser Leben relativ ruhig und sicher, auch wenn wir angesichts von Gewalt und Entf\u00fchrungen manchmal um unsere Sicherheit besorgt waren. Vor unserer Flucht arbeiteten wir beide als Allgemeinmediziner im Gesundheitszentrum in Bakhdida.<\/p>\n<p><strong>Viele der Familien, die wie Sie geflohen sind, leben derzeit in Schulen, Moscheen, leerstehenden Geb\u00e4uden und Rohbauten. Was sind ihre gr\u00f6\u00dften Probleme? Was sind die h\u00e4ufigsten Krankheiten, unter denen die Vertriebenen leiden? <\/strong><br \/>\nDa so viele Menschen in die Region in und um Erbil geflohen sind, sind die Mietpreise hier derart in die H\u00f6he geschossen, dass die Wohnsituation der Vertriebenen derzeit eines der gr\u00f6\u00dften Probleme ist. Die Familien m\u00fcssen in v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Geb\u00e4uden ohne angemessene Wasser- und Sanit\u00e4rversorgung leben; viele haben keine Toilette und k\u00f6nnen sich nicht richtig waschen. Hieraus entstehen auch die meisten Gesundheitsprobleme wie beispielsweise Gastroenteritis, Atemwegserkrankungen, Windpocken, Kopfl\u00e4use oder sogar Kr\u00e4tze.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht Ihre Arbeit im mobilen medizinischen Team aus? <\/strong><br \/>\nUnser Team besteht aus uns beiden und aus zwei medizinischen Assistenten. Jeden Tag fahren wir in ein anderes Gebiet, wo viele vertriebene Familien leben. Dann bauen wir unsere Klinik \u2013 eine Art Mini-Gesundheitszentrum \u2013 auf und laden die Familien ein, zu uns zu kommen und sich untersuchen zu lassen. Einige von uns gehen in die D\u00f6rfer und Gemeinden, um in Erfahrung zu bringen, welche Gesundheitsprobleme es dort gibt, und die Menschen ausfinding zu machen, die medizinische or psychologischen Hilfe brauchen, aber nicht zu uns in die Gesundheitsstation kommen k\u00f6nnen. Wir achten darauf, dass die Station nicht \u00fcberf\u00fcllt ist, damit wir uns f\u00fcr jeden Patienten gen\u00fcgend Zeit nehmen k\u00f6nnen. Dennoch behandeln wir jeden Tag durchschnittlich 80 bis 100 Patienten.<br \/>\n<strong><br \/>\nKinder, Schwangere und \u00e4ltere Menschen leiden besonders unter der Situation. Was sind ihre gr\u00f6\u00dften Probleme und wie k\u00f6nnen Sie helfen?<\/strong><br \/>\nKinder reagieren sehr empfindlich auf unzureichende Hygiene und Ern\u00e4hrung sowie kaltes, feuchtes Wetter. Daher leiden sie besonders oft an Durchfallerkrankungen, Lungenentz\u00fcndungen und Hautallergien. Wir helfen ihnen mit einer fr\u00fchzeitigen Diagnose, mit Antibiotika und Rehydrierungsl\u00f6sungen. Au\u00dferdem geben wir den Eltern Empfehlungen, wie sie ihre Kinder gesund ern\u00e4hren k\u00f6nnen, und bieten Impfungen an f\u00fcr alle Kinder unter f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Viele der \u00c4lteren leiden unter chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz und chronischen Lungenerkrankungen. Wir helfen ihnen, indem wir ihren Blutdruck und ihren Blutzucker regelm\u00e4\u00dfig kontrollieren und m\u00f6gliche Verschlimmerungen ihrer Krankheiten rechtzeitig behandeln. Wir geben ihnen auch Medikamente zur Behandlung ihrer chronischen Erkrankungen, da viele von ihnen ihre Behandlung wegen der hohen Kosten f\u00fcr die Medikamente nicht fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schwangere brauchen selbst unter normalen Umst\u00e4nden eine gute Schwangerschaftsvorsorge. Doch unter den momentanen schwierigen Lebensbedingungen k\u00f6nnen viele Probleme auftreten. Besonders h\u00e4ufig kommt es zu Harnwegsinfektionen. Aber es gibt auch ernsthaftere Komplikationen. Wir f\u00fchren Vorsorgeuntersuchungen durch, beraten die Frauen und geben ihnen eisen- und fols\u00e4urehaltige Nahrungserg\u00e4nzungsmittel.<\/p>\n<p><strong>Was tun Sie, wenn ein Patient so schwer krank oder verletzt ist, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden muss?<\/strong><br \/>\nSobald wir den Patienten stabilisiert haben, stellen wir sicher, dass er schnell und sicher in ein Krankenhaus gebracht wird. Speziell f\u00fcr solche F\u00e4lle steht uns ein Krankenwagen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcssen Sie auch feststellen, dass viele Vertriebene psychosoziale Hilfe ben\u00f6tigen, um das Erlebte besser verarbeiten zu k\u00f6nnen? K\u00f6nnen Sie in solchen F\u00e4llen auch helfen?<\/strong><br \/>\nJa, das kommt auch vor. Einige leiden aufgrund der traumatischen Ereignisse rund um ihre Vertreibung und Flucht unter emotionalen und psychischen Problemen \u2013 und zwar besonders in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft hier. Wir haben ein Training erhalten durch einen Experten f\u00fcr psychische Krankheiten, so dass wir nun auch psychologische Hilfe und Behandlung anbieten k\u00f6nnen. Wenn die Patienten sehen, dass wir genauso wie sie Vertriebene sind und den gleichen Hintergrund haben, f\u00fchlen sie sich sicher genug, um mit uns \u00fcber ihre Probleme zu sprechen.<\/p>\n<p>Sehen Sie einen Vorteil f\u00fcr Ihre Arbeit darin, dass Sie selbst Vertriebene sind und somit mit Ihren Patienten das gleiche Schicksal teilen?<br \/>\nAuf jeden Fall! Das ist f\u00fcr beide Seiten von Vorteil: zum einen f\u00fcr die Patienten, denn sie fassen schneller Vertrauen zu uns und f\u00fchlen sich besser verstanden; zum anderen f\u00fcr uns selbst, denn wir k\u00f6nnen uns viel besser in sie hineinversetzen, da wir uns letztlich in der gleichen Situation befinden.<\/p>\n<p><strong>Der Winter steht kurz bevor und Tausende werden unter eisigen Temperaturen und zus\u00e4tzlichen Gesundheitsproblemen zu leiden haben. Was k\u00f6nnen wir tun, um die Menschen vor der K\u00e4lte zu sch\u00fctzen?<\/strong><br \/>\nJa, in den kommenden Wochen und Monaten werden die Menschen hier noch mehr leiden und ihre Gesundheitsprobleme werden noch schlimmer werden. Hilfsorganisationen k\u00f6nnen helfen, indem sie warme Unterk\u00fcnfte zu niedrigen Preisen wie beispielsweise Wohnwagen bereitstellen oder einen Teil der Mietkosten f\u00fcr Wohnungen und H\u00e4user \u00fcbernehmen. Was die Gesundheitsversorgung betrifft, k\u00f6nnen wir jetzt mit vorbeugenden Ma\u00dfnahmen wie einer Grippeimpfung beginnen. Wir m\u00fcssen auch leicht \u00fcbertragbare Krankheiten rechtzeitig behandeln, um den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Woher nehmen Sie die Kraft f\u00fcr Ihre Arbeit? Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zukunft?<\/strong><br \/>\nEs sind diese schweren Zeiten, die uns Kraft geben. Denn obwohl wir unsere Heimat, unsere H\u00e4user, unser Hab und Gut verloren haben, haben wir hier die Chance bekommen, uns durch gute Arbeit selbst zu beweisen. Die humanit\u00e4re Hilfe, die wir leisten k\u00f6nnen, l\u00e4sst uns selbst angesichtes dieser ganzen Trag\u00f6die Freude erfahren. F\u00fcr uns, unsere Familien und unsere vertriebenen Mitb\u00fcrger w\u00fcnschen wir uns nat\u00fcrlich, in unsere Heimatd\u00f6fer und -st\u00e4dte zur\u00fcckkehren und dort friedlich leben zu k\u00f6nnen. Doch dies wird voraussichtlich nicht m\u00f6glich sein ohne internationalen Schutz. Eine andere M\u00f6glichkeit besteht darin, dass wir uns hier in der Region Kurdistan ansiedeln oder in ein anderes Land auswandern. Unserem Heimatland w\u00fcnschen wir Frieden und Fortschritt, damit sich hier eine demokratische Gesellschaft entwickeln und die Bev\u00f6lkerung ein Leben in W\u00fcrde f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Foto: TCCF<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":126,"name":"Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge","slug":"hilfe-fur-fluchtlinge","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/hilfe-fur-fluchtlinge\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42624\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}