{"id":42625,"date":"2014-10-30T13:10:28","date_gmt":"2014-10-30T12:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/wir-mussen-alle-krafte-und-verfugbaren-ressourcen-bundeln-um-gemeinsam-gegen-diese-krankheit-vorzugehen\/"},"modified":"2023-01-16T15:33:06","modified_gmt":"2023-01-16T14:33:06","slug":"wir-mussen-alle-krafte-und-verfugbaren-ressourcen-bundeln-um-gemeinsam-gegen-diese-krankheit-vorzugehen","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/wir-mussen-alle-krafte-und-verfugbaren-ressourcen-bundeln-um-gemeinsam-gegen-diese-krankheit-vorzugehen\/","title":{"rendered":"\u201cWir m\u00fcssen alle kr\u00e4fte und verf\u00fcgbaren ressourcen b\u00fcndeln, um gemeinsam gegen diese krankheit vorzugehen!\u201d"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-42625","news","type-news","status-publish","hentry","news_categories-hilfe-fur-fluchtlinge","news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","news_categories-krankheiten-und-epidemien","news_categories-medizinische-einrichtung","news_categories-nachrichten"],"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":33123,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/30_10_2014.jpg"},"news_content":"<p>Interview mit Dr. Marie Theres Benner, Expertin f\u00fcr Public Health bei Malteser International, zum Thema Ebola<\/p>\n<p><strong>Wir z\u00e4hlen bereits fast 5.000  Tote und die Zahl der Neuinfizierten steigt weiter an: Was macht dieses Virus so besonders t\u00fcckisch?<\/strong><\/p>\n<p>Bisher gibt es noch keinen f\u00fcr den breiten Einsatz am Menschen zugelassenen Impfstoff gegen die Viruserkrankung. Nur die Symptome k\u00f6nnen behandelt werden. Daher hat das Virus inzwischen eine solch epidemische Verbreitung und eine Dynamik erreicht, die sich bis dato niemand vorstellen konnte. Derzeit stirbt durchschnittlich jeder zweite mit Ebola Infizierte an dieser Krankheit. Wenn allerdings die derzeitigen Tests mit Impfpr\u00e4paraten erfolgreich sind, so k\u00f6nnten laut Weltgesundheitsorganisation erste Chargen Anfang Januar in Westafrika verteilt werden.<\/p>\n<p><strong>Betroffen sind vor allem die westafrikanischen L\u00e4nder Liberia, Guinea und Sierra Leone. Welche Auswirkungen hat Ebola auf die sozialen Systeme in diesen L\u00e4ndern?<\/strong><br \/>\nEbola hat hier eine Region getroffen, deren Bev\u00f6lkerung unter gro\u00dfer Armut und den Folgen langer kriegerischer Auseinandersetzungen leidet. Nun brechen in den betroffenen L\u00e4ndern auch die Wirtschaft und die sozialen Dienstleistungen zusammen: Felder k\u00f6nnen nicht mehr bestellt werden, weil viele Bauern erkrankt sind; Schulen sind geschlossen, weil die Lehrer nicht mehr unterrichten k\u00f6nnen; Familienstrukturen brechen auseinander. Die Angst vor dem Virus hat eine gro\u00dfe Panik in der Bev\u00f6lkerung ausgel\u00f6st, unz\u00e4hlige Familien sind durch den Tod von Angeh\u00f6rigen und Freunden zutiefst ersch\u00fcttert. Die Grenzen zu den betroffenen Regionen sind geschlossen, so dass urspr\u00fcngliche Marktt\u00e4tigkeiten ausbleiben; die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel steigen. UN-Organisationen wie das Weltern\u00e4hrungsprogramm warnen davor, dass die Epidemie die Existenz der Menschen in den betroffenen Gebieten langfristig gef\u00e4hrden werde. Das gewaltige Ausma\u00df dieser Epidemie ist von einzelnen Akteuren nicht mehr zu bew\u00e4ltigen. Darum rufen auch wir dazu auf, alle Expertise und alle verf\u00fcgbaren Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln, um gemeinsam gegen diese Krankheit vorzugehen. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die internationale Gemeinschaft.<\/p>\n<p><strong>Auch in westlichen Krankenh\u00e4usern infizieren sich Pfleger trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen. Einfach gefragt: Wie kann das \u00fcberhaupt passieren?<\/strong><br \/>\nDas Ebola-Virus wird durch direkten Kontakt mit Blut oder K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten wie Schwei\u00df, Speichel, Stuhl oder Urin \u00fcbertragen. Schon die kleinste Unachtsamkeit beim Ablegen der Schutzkleidung birgt beispielsweise ein sehr gro\u00dfes Risiko f\u00fcr eine Infektion. Denn die Viren, die sich nach dem Kontakt mit einem Ebola-Patienten auf der Schutzkleidung des Pflegers befinden, k\u00f6nnen schon durch einen kleinen Riss in der Haut direkt ins Blut oder durch eine unbewusste Ber\u00fchrung von Nase, Augen oder Mund direkt in die Schleimh\u00e4ute gelangen.<\/p>\n<p><strong>In den betroffenen Regionen in Westafrika arbeitet das Pflegepersonal unter ganz anderen klimatischen Bedingungen und mit einer viel simpleren Ausstattung. Was sind die besonderen Herausforderungen f\u00fcr die Helfer vor Ort? Woran fehlt es am meisten?<\/strong><br \/>\nZun\u00e4chst m\u00f6chte ich diesen Helfern und Pflegern meine gr\u00f6\u00dfte Hochachtung aussprechen. Sie arbeiten unter einfachen Bedingungen bei tropischem Klima mit hohen Temperaturen und starker Luftfeuchtigkeit. Es ist kaum m\u00f6glich, l\u00e4nger als ein bis zwei Stunden in dieser einengenden Schutzkleidung zu bleiben. Hinzu kommt der enorme psychische Druck, dem die Pfleger ausgesetzt sind: die Angst, sich zu infizieren, die Angst, einen Fehler zu machen \u2013 zum Beispiel beim Ablegen der Schutzkleidung. Diese Helfer und Pfleger sollten einen \u201eNobelpreis\u201c  bekommen!<\/p>\n<p>Was wir in diesem Zusammenhang nicht vergessen d\u00fcrfen, ist die Tatsache, dass das Gesundheitssystem in den betroffenen L\u00e4ndern grunds\u00e4tzlich schwach und schlecht ausgestattet ist und es schon in \u201enormalen\u201c Zeiten kaum so etwas wie eine Basisgesundheitsversorgung gibt. Daher fehlt es auch jetzt vielfach an der notwendigen Schutzkleidung f\u00fcr das Gesundheitspersonal sowie an Trainings f\u00fcr den Umgang mit dieser Krankheit, bei denen die Pfleger beispielsweise auch lernen, die Schutzkleidung richtig an- und abzulegen \u2013 was gar nicht so einfach ist.<\/p>\n<p><strong>Die WHO stellt einen Impfstoff fr\u00fchestens f\u00fcr Januar  2015 in Aussicht. Was ist jetzt eine wirksame Strategie, um die Epidemie einzud\u00e4mmen?<\/strong><br \/>\nWie bei den meisten Infektionskrankheiten sind eine fr\u00fchzeitige Diagnose und Behandlung sowie im Fall von Ebola die Isolierung der Patienten die Grundvoraussetzungen, um die Epidemie zu kontrollieren. Zudem m\u00fcssen nat\u00fcrlich alle Kontaktpersonen von Ebola-Patienten ausfindig gemacht und untersucht werden und \u2013 wenn n\u00f6tig \u2013 isoliert werden, um zu verhindern, dass sie weitere Menschen infizieren. Die Strategie der fr\u00fchzeitigen Diagnose, Behandlung und Isolierung hat sich auch bei fr\u00fcheren Ebola-Epidemien bew\u00e4hrt und f\u00fchrte in Guinea zu einem enormen R\u00fcckgang der Todesf\u00e4lle von 90 auf 40 Prozent.<br \/>\n<strong><br \/>\nWelches sind aus Ihrer Sicht die dringlichsten Ma\u00dfnahmen?<\/strong><br \/>\nZun\u00e4chst m\u00fcssen ausreichend Schutzkleidung bereitgestellt und die entsprechenden Trainings f\u00fcr das Gesundheitspersonal organisiert werden. Weiterhin muss auch f\u00fcr die notwendige moralische und psychische Unterst\u00fctzung der Helfer gesorgt werden. Dar\u00fcber hinaus werden dringend mehr Ebola-Behandlungszentren gebraucht, aber auch gen\u00fcgend Labors und qualifizierte Mitarbeiter f\u00fcr die fr\u00fchzeitige Diagnose und Behandlung. Hier hoffen wir nat\u00fcrlich auch auf die in Aussicht gestellten Ebola-Schnelltests und positive Testergebnisse bei den Impfpr\u00e4paraten, die derzeit erprobt werden. Sauberes Trinkwasser und sanit\u00e4re Anlagen sowie logistische Unterst\u00fctzung sind ebenfalls unabdingbar. Nat\u00fcrlich ben\u00f6tigen die betroffenen L\u00e4nder auch Unterst\u00fctzung beim Aufbau einer funktionierenden Basisgesundheitsversorgung.<br \/>\n<strong><br \/>\nEbola wirkt sich nicht nur auf das Gesundheitssystem der betroffenen L\u00e4nder aus, sondern hat auch weitreichende soziale Auswirkungen. Welche flankierenden Ma\u00dfnahmen sind hier notwendig?<\/strong><br \/>\nGenau. Die Epidemie hat weitreichende Folgen f\u00fcr die Wirtschaft, Sicherheit und Stabilit\u00e4t der betroffenen L\u00e4nder. Deswegen muss jetzt aktuell auch die Lebensmittelversorgung der Bev\u00f6lkerung sichergestellt werden. Denn trotz Erntezeit konnte vielfach die Ernte nicht mehr eingeholt werden. Und im Hinblick auf die n\u00e4chste Aussaat von M\u00e4rz bis Mai n\u00e4chsten Jahres muss schon jetzt gepr\u00fcft werden, welche Hilfe die Bauern brauchen. Mittel- bis langfristig werden hier weitere Nahrungsmittelhilfen notwendig sein.<\/p>\n<p><strong>Das Thema Ebola beherrscht derzeit weltweit die Medien. Seit den Infektionsf\u00e4llen in Madrid und Dallas scheint der Virus gef\u00fchlt \u201en\u00e4herger\u00fcckt\u201c und der Respekt vor einer m\u00f6glichen Ansteckung ist auch hierzulande gro\u00df. Warum ist die Spendenbereitschaft dennoch so gering?<\/strong><br \/>\nIch vermute, dass es einerseits damit zusammenh\u00e4ngt, dass es derzeit einfach zu viele Krisen gleichzeitig auf der Welt gibt. Andererseits erwarten viele Menschen wohl von den Gesundheitsbeh\u00f6rden in den betroffenen L\u00e4ndern, dass sie die Epidemie selbst in den Griff bekommen. Doch wir sollten trotz allem realistisch bleiben und keine Panikmache betreiben. Die meisten Ebola-F\u00e4lle gibt es in Westafrika \u2013 und dort brauchen die Menschen dringend unsere Hilfe!<\/p>\n<p><strong>Was tut Malteser International konkret?<\/strong><br \/>\nDa Malteser International derzeit noch keine eigenen Strukturen und Mitarbeiter in den betroffen L\u00e4ndern Westafrikas hat, erfolgt die Hilfe im Rahmen des internationalen Netzwerks des Malteserordens, beispielsweise \u00fcber die franz\u00f6sische Partnerorganisation \u201eOrdre de Malte France\u201c, die schon seit Jahren in Guinea und Liberia t\u00e4tig ist. Zudem denken die Malteser als Mitglied von \u201eAktion Deutschland Hilft\u201c zusammen mit weiteren Mitgliedsorganisationen \u00fcber eine Ebola-Taskforce und einen gemeinsamen Hilfseinsatz nach. Denn eine Hilfsorganisation alleine kann im Fall der Ebola-Epidemie angesichts der Komplexit\u00e4t der Krise nur wenig ausrichten. Wir als origin\u00e4re Gesundheitsorganisation k\u00f6nnten uns im Rahmen dieser Taskforce die Einrichtung eines Labors oder die Unterst\u00fctzung von Ebola-Schnelltests oder Impfkampagnen in einem der betroffenen L\u00e4nder vorstellen \u2013 in Verbindung mit Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen wie Trainings und Schutzkleidung f\u00fcr das lokale Gesundheitspersonal. Doch allein f\u00fcr ein solches Labor ben\u00f6tigen wir rund 400.000 Euro; ein Schutzanzug kostet rund 60 EUR. F\u00fcr die 24-Stunden-Betreuung eines einzelnen Ebola-Patienten durch eine Krankenschwester oder einen Pfleger werden t\u00e4glich bis zu 12 Schutzanz\u00fcge ben\u00f6tigt.<br \/>\n<strong><br \/>\nVor welchen besonderen Herausforderungen stehen Hilfsorganisationen bei diesem Thema? Und was sind m\u00f6gliche L\u00f6sungen?<\/strong><br \/>\nAlle Akteure m\u00fcssen jetzt \u00fcber ihren eigenen Tellerrand hinausschauen, ihre Kr\u00e4fte b\u00fcndeln und gemeinsam handeln \u2013 und zwar jetzt! Die Zeit dr\u00e4ngt, denn ohne sofortige umfassende Ma\u00dfnahmen wird sich die Zahl der Ebola-F\u00e4lle von derzeit mehr als 9.000 bis Mitte Januar 2015 auf 550.000 bis 1,4 Millionen erh\u00f6hen, so das Zentrum f\u00fcr Infektionskontrolle und Pr\u00e4vention in Atlanta. Dies sollte allen Verantwortlichen Ansporn genug sein, um eine noch gr\u00f6\u00dfere Katastrophe abzuwenden. Hierf\u00fcr m\u00fcssen dringend die notwendigen personellen und finanziellen Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Allein f\u00fcr ein Ebola-Behandlungszentrum mit 100 Betten werden rund 200 bis 250 Mitarbeiter ben\u00f6tigt. Dies zeigt, wie intensiv und anspruchsvoll die Behandlung von Ebola-Patienten ist.<\/p>\n<p><strong>Wie bereitet Malteser International die eigenen Mitarbeiter vor?<\/strong><br \/>\nDoch bevor eigene Mitarbeiter entsandt werden, sind umfassende Trainingsma\u00dfnahmen ein wesentliches Element der Einsatzvorbereitung. In anderen afrikanischen L\u00e4ndern wie beispielsweise in der DR Kongo, wo Malteser International bereits seit vielen Jahren arbeitet und es schon einige F\u00e4lle von Ebola gab, haben wir umgehende Schutzma\u00dfnahmen veranlasst und Trainings f\u00fcr unser Personal durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Die Zeit dr\u00e4ngt und ich m\u00f6chte helfen. Was kann jeder einzelne tun, um an der Eind\u00e4mmung der Epidemie mitzuwirken? <\/strong><br \/>\nWir appellieren an die Bev\u00f6lkerung, an die Unternehmen, die Pfarrgemeinden, die Schulklassen und an jeden einzelnen: Helfen Sie den Menschen in Westafrika mit einer Spende!<\/p>\n<p>Interview: Petra Ipp-Zavazal\/Elena Stein, foto: Frank L\u00fctke (Oktober 2014)<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":126,"name":"Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge","slug":"hilfe-fur-fluchtlinge","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/hilfe-fur-fluchtlinge\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":124,"name":"Krankheiten und epidemien","slug":"krankheiten-und-epidemien","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/krankheiten-und-epidemien\/"},{"id":121,"name":"Medizinische Einrichtung","slug":"medizinische-einrichtung","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/medizinische-einrichtung\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42625","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42625\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}