{"id":42632,"date":"2014-10-28T11:08:04","date_gmt":"2014-10-28T10:08:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/der-souverane-malteserorden-in-genf-fur-menschenwurde-und-religionsfreiheit\/"},"modified":"2023-01-16T15:33:09","modified_gmt":"2023-01-16T14:33:09","slug":"der-souverane-malteserorden-in-genf-fur-menschenwurde-und-religionsfreiheit","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/der-souverane-malteserorden-in-genf-fur-menschenwurde-und-religionsfreiheit\/","title":{"rendered":"Der Souver\u00e4ne Malteserorden in Genf: f\u00fcr menschenw\u00fcrde und religionsfreiheit"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-42632","news","type-news","status-publish","hentry","news_categories-diplomatischen-aktivitaten","news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","news_categories-nachrichten"],"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":33135,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/28_10_2014.jpg"},"news_content":"<p><strong>Interview mit Botschafterin Marei-Th\u00e9r\u00e8se Pictet-Althann<\/p>\n<p>Mit j\u00e4hrlich \u00fcber 2.500 Konferenzen ist Genf die Welthauptstadt des humanit\u00e4ren Engagements und eines der wichtigsten Zentren der multilateralen Diplomatie. 172 st\u00e4ndige Missionen, 30 internationale Organisationen und etwa 250 NGOs bilden mit der Arbeit von 28.000 Diplomaten und Funktion\u00e4ren das \u201einternationale Genf\u201c. Der Souver\u00e4ne Malteserorden ist hier mit einer st\u00e4ndigen Beobachtermission bei den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen vertreten, deren Aufgabe es ist, Verbindungen zu den internationalen und zwischenstaatlichen humanit\u00e4ren Organisationen herzustellen, sie \u00fcber die Aktivit\u00e4ten des Malteserordens zu informieren und so zum Diskurs \u00fcber die Frage der Wahrung der Menschenw\u00fcrde beizutragen. Botschafterin Marie-Th\u00e9r\u00e8se Pictet-Althann, die die diplomatische Mission seit 2005 leitet, erl\u00e4utert in diesem Interview ihre Rolle und legt dar, wie sich im Lauf der Jahre die Aufgabe ver\u00e4ndert hat.<\/strong><\/p>\n<p>Die Rolle des st\u00e4ndigen Beobachters bei den Vereinten Nationen in Genf hat sich aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden in den letzten Jahren stark ver\u00e4ndert. Die internationalen Aktivit\u00e4ten im Bereich humanit\u00e4rer Hilfe haben eine erhebliche Ausweitung erfahren infolge der zunehmenden Naturkatastrophen und der vom Menschen zu verantwortenden Konflikte, die zu einem nummerischen Zuwachs an humanit\u00e4ren Hilfsorganisationen in Genf gef\u00fchrt haben. Zu unserer Mission geh\u00f6ren vier Diplomaten mit unterschiedlicher Berufserfahrung. Das ganze Jahr \u00fcber nehmen wir an Konferenzen teil, an offiziellen Begegnungen und Beratungen und sonstigen Parallelveranstaltungen. Neben der beklagenswerten Zunahme an Krisen, hat zur Intensivierung der Arbeit auch die 2006 erfolgte Einrichtung des UN-Menschenrechtsrates beigetragen. Genf hat dadurch zus\u00e4tzlich an Bedeutung gewonnen, weil im Rat Fragen behandelt werden, die in Zusammenhang mit den in der Generalversammlung und im Sicherheitsrat der UNO (beide mit Sitz in New York) behandelten Fragen stehen. Der Menschenrechtsrat tritt dreimal im Jahr zusammen, woran sich regelm\u00e4\u00dfig au\u00dferordentliche Sitzungen anschlie\u00dfen, bei denen bestimmte Konflikt- oder Notf\u00e4lle behandelt werden (Irak, Gaza, Syrien, Libyen, usw. \u2026). Wir wenden uns unsererseits an den Rat mit Themen, die die Aktivit\u00e4ten des Malteserordens betreffen und nehmen an den Debatten teil, die den Entscheidungen und Resolutionen der Mitgliedsstaaten vorausgehen.<\/p>\n<p>Wir organisieren \u00fcberdies Parallelveranstaltungen mit anderen Missionen und begleiten Veranstaltungen, die einen unmittelbaren Bezug zu unserem Ordensauftrag haben, insbesondere die Religionsfreiheit, die Fl\u00fcchtlinge, Gesundheit, Migration , die Formen moderner Sklaverei, den Schutz der Familie, die Alten, den Frieden und die Menschenrechte. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr den 50. Jahrestag von \u201ePacem in terris\u201c begangen, die 1963 von Papst Johannes XXIII kurz vor seinem Tod verk\u00fcndete Enzyklika, mit der der Papst dazu auffordert, Konflikte im Verhandlungsweg zu l\u00f6sen und nicht durch Gewalt. Wir arbeiten eng mit dem Apostolischen Nuntius, S. E. Erzbischof Silvano Maria Tomasi, zusammen und haben gemeinsam die Stiftung \u00b4Caritas in Veritate\u00b4 gegr\u00fcndet. Dank der Zusammenarbeit mit Experten aus aller Welt hilft uns die Stiftung dabei, Themen von allgemeinem Interesse aufzugreifen, wie den interreligi\u00f6sen Dialog, den Kampf gegen die Sklaverei, ethische Fragen, mit dem Ziel, auch international das Problembewusstsein daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p><strong>Der Krieg in Syrien und im Irak mit seinen Auswirkungen auf die Nachbarl\u00e4nder, Libanon, T\u00fcrkei, Jordanien. Wie beurteilen Sie die Effizienz der internationalen Diplomatie bei Ihren Bem\u00fchungen, diesem Blutvergie\u00dfen Einhalt zu gebieten und Millionen von Zivilpersonen, die davon betroffen sind, Sicherheit zu verschaffen?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nAus humanit\u00e4rer Sicht ist das Ergebnis widerspr\u00fcchlich. In Syrien gibt es ein \u00e4u\u00dferst komplexes innenpolitisches Problem. Von den 6,4 Millionen Vertriebenen leben etwa 4,5 Millionen in Regionen, die wegen der eingeschr\u00e4nkten Zugangsm\u00f6glichkeiten und Sicherheitsvorkehrungen f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfseins\u00e4tze nur schwer zu erreichen sind. Sowohl Jordanien wie auch die T\u00fcrkei sind sehr entgegenkommend bei der Aufnahme von 608.000 bzw. 815.000 Fl\u00fcchtlingen und sie halten ihre Grenzen offen. Der Libanon, zu dem der Orden enge Beziehungen unterh\u00e4lt, hat \u00fcber 1,1 Millionen Menschen aufgenommen, bei einer eigenen Einwohnerzahl von 5 Millionen. Das Land durchlebt derzeit eine extrem schwierige Phase. Die hohe Zahl von Fl\u00fcchtlingen aus Syrien stellen das Wirtschaftssystem, das Gesundheits- und Bildungswesen auf eine harte Probe. Die Aufnahmeeinrichtungen und Beh\u00f6rden sto\u00dfen durch den steten Zustrom von Fl\u00fcchtlingen an die Grenzen der Belastbarkeit.<\/p>\n<p><strong>Die EU ist bem\u00fcht, alle Mitgliedsl\u00e4nder unter einer gemeinsamen au\u00dfenpolitischen Fahne zu sammeln. K\u00f6nnte dies, Ihrer Ansicht nach, der internationalen Diplomatie ein st\u00e4rkeres Gewicht verschaffen und damit auch den humanit\u00e4ren Hilfseins\u00e4tzen zugutekommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die 2005 von der EU angenommenen und 2009 aktualisierten Richtlinien zur Wahrung der Menschenrechte beinhalten eine ganze Reihe von ausgezeichneten Regeln, die jeder Staat, der sich zur Konvention von Genf bekennt, anwenden m\u00fcsste. Die Frage ist nur: wie viele L\u00e4nder der EU haben diese Regel tats\u00e4chlich auch angewandt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit Blick auf die derzeitige dramatische Situation in weiten Teilen des Nahen Ostens, mit den Bedrohungen f\u00fcr Christen und andere religi\u00f6se Minderheiten, auf das fragile Abkommen zwischen Pal\u00e4stina und Israel, auf die andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen in Zentralafrika, die Hungersn\u00f6te und Millionen von Vertriebenen verursachen, was ist die Rolle des Malteserordens in Genf?<\/strong><\/p>\n<p>Hier gilt es, zwei Hauptpunkte herauszustreichen: einmal die M\u00f6glichkeit zu haben, auf die  Menschen in Not zugehen zu k\u00f6nnen und zum anderen, sch\u00fctzen und vorsorgen zu k\u00f6nnen. Es ist notwendig, die internationale Gemeinschaft immer wieder an die fundamentalen Menschenrechte zu erinnern und die Achtung des Art. 3 der Genfer Konvention von 1949 einzufordern. Es ist unerl\u00e4sslich, das Leben und die W\u00fcrde des Menschen zu sch\u00fctzen, aber wir k\u00f6nnen das nicht alleine leisten. Wir fordern den Schutz der Menschenw\u00fcrde und der Achtung der Religionsfreiheit und der Minderheiten ein.<\/p>\n<p><strong>Diese Krisen bef\u00f6rdern den Menschenhandel, der sich aus der erzwungenen Immigration ergibt. Was sollten Ihrer Ansicht nach die europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden und die UNO angesichts dieses Fl\u00fcchtlingsstroms tun?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie EU hat sich hinsichtlich der Immigration politisch noch nicht festgelegt. Der Direktor der internationalen Organisation f\u00fcr die Immigration hat an die Mitgliedstaaten appelliert, in der Zuwanderung auch eine Chance zu sehen. Wenn die Immigranten gro\u00dfz\u00fcgig mit offenen Armen empfangen werden, werden wir durch deren Anwesenheit nur Gutes erfahren. Wir teilen diese Botschaft uneingeschr\u00e4nkt. Deshalb muss diese Frage mit einer weitsichtigen Strategie angegangen werden, um eine klare Integrationspolitik definieren zu k\u00f6nnen. Es ist notwendig, nicht nur in Europa Grundlagen zu schaffen, sondern auch mit den Herkunftsl\u00e4ndern Verbindungen herzustellen. Der Malteserorden ist hier sehr engagiert. Wir helfen den Migranten in vielen L\u00e4ndern, so in Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien und Italien, wo wir an den Rettungsaktionen in der Meerenge von Sizilien beteiligt sind.<\/p>\n<p><strong>Sie waren mit anderen Botschafterinnen an den Vorbereitungen der vom Menschenrechtsrat organisierten Veranstaltung \u201eVer\u00e4nderung durch die Macht der   Frauen\u201c beteiligt. Glauben Sie, dass die Frauen eine differenzierte Betrachtung ihrer Rechte bei den Menschenrechten bewirken k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, ja. Unsere Gruppe von Botschafterinnen hat beschlossen, sich an der Durchsetzung der Rechte der Frauen zu beteiligen und bei der j\u00e4hrlichen Hauptversammlung des Menschenrechtsrates eine eigene Veranstaltung zu organisieren. In diesem Jahr haben wir das von Ihnen bereits erw\u00e4hnte Thema erarbeitet und 2013 haben wir uns mit dem Thema \u201eDie M\u00f6glichkeit, die Verantwortung an Frauen zu \u00fcbertragen\u201c befasst. Wir laden Frauen ein, die bekannte Pers\u00f6nlichkeiten sind, um mit uns ihre Erfahrungen auszutauschen und von ihnen zu h\u00f6ren, wie sie in ihre Positionen gekommen sind. Durch ihr Zeugnis werden sie nicht nur beispielhaft f\u00fcr andere Frauen, sondern auch Ansporn f\u00fcr ein verst\u00e4rktes Engagement von Frauen bei Entscheidungsprozessen in Schl\u00fcsselpositionen. Dies w\u00e4re ein Beitrag zur Armutsbek\u00e4mpfung, indem die wirtschaftliche Produktivit\u00e4t entwickelt und die allgemeinen Lebensbedingungen in den Herkunftsl\u00e4ndern verbessert werden.<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":117,"name":"Diplomatischen aktivit\u00e4ten","slug":"diplomatischen-aktivitaten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/diplomatischen-aktivitaten\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42632\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}