{"id":42633,"date":"2014-10-27T14:37:23","date_gmt":"2014-10-27T13:37:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/der-grosskanzler-beim-interview-mit-dem-catholic-herald-den-grundprinzipien-menschlichen-verhaltens-wieder-geltung-zu-verschaffen-ist-eine-drangende-forderung\/"},"modified":"2023-01-16T15:33:10","modified_gmt":"2023-01-16T14:33:10","slug":"der-grosskanzler-beim-interview-mit-dem-catholic-herald-den-grundprinzipien-menschlichen-verhaltens-wieder-geltung-zu-verschaffen-ist-eine-drangende-forderung","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/der-grosskanzler-beim-interview-mit-dem-catholic-herald-den-grundprinzipien-menschlichen-verhaltens-wieder-geltung-zu-verschaffen-ist-eine-drangende-forderung\/","title":{"rendered":"Der Grosskanzler beim interview mit dem Catholic Herald: \u201eden grundprinzipien menschlichen verhaltens wieder geltung zu verschaffen, ist eine dr\u00e4ngende forderung\u201c."},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-42633","news","type-news","status-publish","hentry","news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","news_categories-nachrichten"],"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":33141,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/27_10_2014.jpg"},"news_content":"<p>In dem der britischen Tageszeitung Catholic Herald gegebenen Interview erl\u00e4utert der Gro\u00dfkanzler Albrecht Boeselager das Engagement des Malteserordens auf dem von Gewalt ersch\u00fctterten Schauplatz des Nahen Ostens und gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die gro\u00dfen geopolitischen Ver\u00e4nderungen in der Welt. In dem Interview bekr\u00e4ftigt der Gro\u00dfkanzler die Notwendigkeit der Anwendung der Konventionen \u00fcber die Menschenrechte, die von allen beteiligten Parteien unbedingt zu achten sind.<\/p>\n<p><strong>Der Gro\u00dfkanzler des Malteserordens: \u201eDie Zerst\u00f6rung von mehrtausendj\u00e4hriger christlicher Kultur ist eine Trag\u00f6die\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Von Paul Betts<\/p>\n<p>Der finstere Ausdruck und besorgte Ton des Freiherrn Albrecht von Boeselager verdecken nur m\u00fchsam seinen Zorn angesichts der Ereignisse in Syrien und im Irak. Der Gro\u00dfkanzler des Souver\u00e4nen Malteserordens ist Au\u00dfen- und Innenminister des Ordens und hat eine lange Erfahrung mit den durch menschliche Konflikte und Naturkatastrophen ausgel\u00f6sten humanit\u00e4ren Krisen. Seiner Auffassung nach ist das, was sich derzeit in Syrien und im Irak ereignet, vergleichbar mit dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg.<\/p>\n<p>F\u00fcr diejenigen, denen diese historische Periode nicht gel\u00e4ufig sein sollte, sei erinnert: Dieser ungew\u00f6hnlich grausame Konflikt des siebzehnten Jahrhunderts hat als Religionskrieg zwischen katholischen und protestantischen Staaten Europas begonnen, die zum Hl. R\u00f6mischen Reich geh\u00f6rten. Der Krieg erfasste schlie\u00dflich die meisten europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte. In Europa wurden weite Landstriche verw\u00fcstet und versanken in Armut. Der Krieg endete erst als alle Beteiligten ersch\u00f6pft waren. Dann wurden Friedensvertr\u00e4ge vereinbart, Grenzen neu gezogen und Einflusssph\u00e4ren neu definiert. Trotzdem blieben manche Probleme, die den Krieg ausgel\u00f6st hatten, noch lange Zeit ungel\u00f6st.<\/p>\n<p>Bei seinem Besuch in London sagte der Gro\u00dfkanzler, dass es Im Irak und in Syrien \u201eso viele unterschiedliche Interessen gibt und dass der Feind meines Feindes nicht notwendigerweise mein Freund ist: er k\u00f6nnte ebenso auch mein Feind sein\u201c. Wie in jenem Krieg der Vergangenheit, f\u00fcgt er hinzu, k\u00f6nnte sich die Gestaltung der in die Konflikte verwickelten Regionen des Nahen Ostens, je nach religi\u00f6sem Bekenntnis und Stammeszugeh\u00f6rigkeit, ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Dieser Konflikt hat \u00fcberdies die Zukunft der christlichen Minderheiten in der Region in Frage gestellt. Darauf wies der Gro\u00dfkanzler ausdr\u00fccklich hin: \u201eDas ist die eigentliche Trag\u00f6die, mit ansehen zu m\u00fcssen, wie eine in Jahrhunderten, ja in tausenden von Jahren gewachsene Kultur in nur zwei Jahren endg\u00fcltig zerst\u00f6rt wird. Die Christen in Mosul mussten erleben, wie sich ihre muslimischen Nachbarn gegen sie erhoben, ihre H\u00e4user besetzten oder niederbrannten und ihnen ihr Hab und Gut raubten. Es wird nicht m\u00f6glich sein, dies alles wieder aufzubauen und ist auch eine gef\u00e4hrliche Entwicklung, weil dieses Verhalten jetzt in diskriminierender Weise den Muslimen allgemein zugeordnet wird. Ich bin mir aber nicht so sicher, dass sich nicht auch andere V\u00f6lker oder Volksgemeinschaften unter vergleichbaren Zust\u00e4nden besser verhalten h\u00e4tten. Festzustellen ist jedenfalls, dass selbst die Bef\u00fcrworter einer Zusammenarbeit mit den Muslimen dies jetzt bezweifeln, weil zwischen den einzelnen Gruppierungen ein gro\u00dfes Misstrauen besteht\u201c.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Krise ist es unerl\u00e4sslich, den humanit\u00e4ren Grundprinzipien wieder Geltung zu verschaffen. Nach dem Ende der Ersten und Zweiten Weltkriegs hat die internationale Gemeinschaft mit Erfolg einen Codex humanit\u00e4ren Verhaltens eingef\u00fchrt, ein umfassendes humanit\u00e4res Gesetzeswerk: die Konventionen des Roten Kreuzes und die Resolutionen der Vereinten Nationen. Zum Ende des letzten Jahrhunderts allerdings war ein rasches Schwinden der Achtung dieser Prinzipien zu beobachten. \u201eEs handelt sich nicht nur um Terrorismus, es betrifft auch den Westen\u201c, sagte er. \u201eDie Angriffe durch Drohnen auf sogenannte ausgesuchte Ziele \u2013 auch diese wissen nicht exakt wem der Angriff gilt \u2013 sie streuen ins Ziel und t\u00f6ten. Die Achtung dieser Prinzipien ist also von mehreren Seiten gef\u00e4hrdet\u201c.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfkanzler verweist auf den Kosovo-Konflikt, um ein weiteres Beispiel f\u00fcr diesen Niedergang zu nennen. \u201eIch habe einen guten Freund, Pilot der deutschen Luftwaffe, nach dem Einsatz im Kosovo getroffen. Er brauchte psychotherapeutische Betreuung. Bei seiner Pilotenausbildung war ihm beigebracht worden, niemals ein Ziel anzuvisieren, das nicht genau identifiziert sei. Im Kosovo war es nach Anweisung der NATO den Piloten untersagt, tiefer als 3.000 Meter zu fliegen. Aus dieser H\u00f6he aber ist es unm\u00f6glich zu sehen, ob es sich etwa bei einem Jeep um ein milit\u00e4risches oder ein ziviles Fahrzeug handelt. Also wurde nach dem Grundsatz der Wahrscheinlichkeit geschossen\u201c.<\/p>\n<p>Ist der Malteserorden durch seine T\u00e4tigkeit in den Krisenregionen im Nahen Osten angegriffen worden? \u201eHier muss man unterscheiden\u201c, erkl\u00e4rt der Gro\u00dfkanzler. \u201eIm gem\u00e4\u00dfigten muslimischen Umfeld haben wir keinerlei Probleme. Ganz im Gegenteil. Verglichen mit anderen weltlichen Organisationen, werden wir eher angenommen, weil diese Gesellschaft unsere Motivation versteht. Gegen\u00fcber weltlichen Organisationen sind sie misstrauischer, weil sie deren Beweggr\u00fcnde nicht verstehen. In solchen Situationen entwickeln die Menschen einen sechsten Sinn und sp\u00fcren, ob jemand versteckte Ziele verfolgt oder etwas erreichen will, was er vielleicht nicht verheimlicht, was aber nicht evident erscheint. Der Malteserorden ist unabh\u00e4ngig und neutral. Wir sind einzig da um zu helfen. Wir wollen nicht mehr und nicht weniger und sind unabh\u00e4ngig und objektiv\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcber sein diplomatisches humanit\u00e4res Netzwerk steht der Orden in direkter Verbindung zu den Regierungen, die die Mitarbeiter vor Ort unterst\u00fctzen. Der direkte Kontakt, sei es auf h\u00f6chster Ebene, sei es zur Bev\u00f6lkerung und den gef\u00e4hrdeten Fl\u00fcchtlingen, ist wichtig, weil, wie Boeselager erkl\u00e4rt, \u201ewenn du mit diesen Menschen einmal Verbindung aufgenommen hast, wissen sie wer du bist und du erh\u00e4ltst ihren Schutz. Unsere St\u00e4rke ist, dass wir stets mit einem transparenten Programm arbeiten und erkl\u00e4ren, was wir tun. Wir nehmen uns vor, mit allen zu sprechen\u201c. Solange man Ansprechpartner vor Ort hat, kann man helfen. Wichtig ist es au\u00dferdem, die Situation aus der Perspektive desjenigen zu beurteilen, dem man helfen will.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass der Orden nicht auch Verluste bei seinen Aktivit\u00e4ten in Krisenregionen erlitten hat. In Vietnam und dann in Afghanistan sind Mitarbeiter und Vertreter des Ordens get\u00f6tet worden. Bis jetzt ist der Orden im derzeitigen Konflikt im Nahen Osten noch nicht zur Zielscheibe der Fundamentalisten geworden. Aber der Gro\u00dfmeister schlie\u00dft nicht aus, dass dies jederzeit geschehen k\u00f6nnte. Der Orden ist derzeit in der T\u00fcrkei, im Libanon und in Kurdistan engagiert und unterh\u00e4lt \u00fcber die libanesische Assoziation des Ordens zwei mobile Ambulatorien in Bagdad.<\/p>\n<p>Derzeit arbeiten in Kurdistan drei ausl\u00e4ndische Mitarbeiter f\u00fcr den Orden. \u201eWir versuchen immer ortsans\u00e4ssige Mitarbeiter oder Angeh\u00f6rige derjenigen Gemeinschaften zu gewinnen, um deren Probleme es geht. An der t\u00fcrkischen Grenze, beispielsweise, unterhalten wir ein Feldlazarett mit syrischen Fl\u00fcchtlingen\u201c. Auch hier ist, \u00e4hnlich wie in Syrien und im Irak, die Situation momentan so komplex und gef\u00e4hrlich, dass es schwierig ist, wenn nicht sogar unm\u00f6glich, direkt Hilfe zu leisten. Der Orden steht hier in Verbindung mit der Kirche in Syrien, die dringend davon abr\u00e4t, Ausl\u00e4nder zu schicken, nicht nur weil es f\u00fcr sie riskant w\u00e4re, sondern vor allem, weil diese Ausl\u00e4nder ein Risiko f\u00fcr diejenigen darstellen w\u00fcrden, die mit der Kirche zusammenarbeiten. \u201eSicher, wir leisten auch weiterhin Hilfe in Syrien, aber durch Leute, die in Syrien wohnen, die \u00fcber die t\u00fcrkische Grenze kommen und Hilfsg\u00fcter nach Syrien bringen k\u00f6nnen. Es gibt auch noch andere Wege, die wir nutzen\u201c.<\/p>\n<p>In vielen Regionen im Irak ist die Lage zu gef\u00e4hrlich. \u201eSie ist nicht nur gef\u00e4hrlich weil das Risiko besteht, in die Schusslinie zu geraten. Gr\u00f6\u00dfer ist das Risiko zwischen die Fronten zu geraten\u201c, erkl\u00e4rt der Gro\u00dfkanzler. Zweifelsohne stehen Syrien und der Irak seit einiger Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, aber f\u00fcr die Arbeit des Ordens ist das nur ein Teilbereich. \u201eMomentan sind wir in 120 L\u00e4ndern mit unterschiedlichen Projekten pr\u00e4sent. Wir haben zwischen 80.000 und 100.000 ehrenamtliche Helfer und etwa 30.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Die operative Struktur ist beeindruckend, auch wenn es sich bei den meisten Engagements nicht um Noteins\u00e4tze handelt. So fallen darunter auch der Betrieb von Altenheimen etwa hier in England, von Krankenh\u00e4usern in Deutschland, die Organisation von Volontariaten, soziale Unterst\u00fctzung, Erste Hilfe und Altenbetreuung, Obdachlosen- und Behindertenbetreuung. Aber das Augenmerk bleibt dabei immer auf Konflikt- und Katastrophensituationen gerichtet\u201c.<\/p>\n<p>Jedenfalls darf man nicht untersch\u00e4tzen, was der Orden bei Konflikt- und Katastrophenf\u00e4llen leistet. Beispiel Iran: \u201eUnser letzter Einsatz war dort nach dem schweren Erdbeben von 2003. Wir waren beeindruckt, wie die Leute dort organisiert waren und wie wenig ideologisch eingeschr\u00e4nkt. Nach dem Beben, nach Beendigung der Rettungs- und Hilfsma\u00dfnahmen, haben uns die \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden gebeten, die Arbeiten der NGOs zu koordinieren und die ortsans\u00e4ssigen NGOs einzuweisen. Wir waren \u00fcberrascht\u201c.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be noch viele Beispiele. \u201eIn einem afrikanischen Land hatte unser dortiger Botschafter festgestellt, dass es im Zentralgef\u00e4ngnis keine Trennung zwischen weiblichen und m\u00e4nnlichen Insassen gab. Sie k\u00f6nnen sich die Zust\u00e4nde vorstellen. Einerseits schien sich die Regierung nicht darum zu k\u00fcmmern, andererseits war es ihr peinlich und so verwehrte sie jeden Zugang. Aber zu unserem Botschafter hatte sie Vertrauen und sie gestattete ihm, im Gef\u00e4ngnis eine Trennungsmauer zu errichten und auch eine kleine Ambulanzstation einzurichten. Dies war nur dank des direkten Kontakts zum Premierminister m\u00f6glich und weil man sich \u00fcberzeugt hatte, dass der Botschafter unabh\u00e4ngig war und keiner nationalen oder internationalen Autorit\u00e4t zu berichten hatte. Noch ein letztes Beispiel. \u201eBeim j\u00fcngsten Konflikt im Libanon hat unser Botschafter die Freilassung von \u00fcber 1.000 Gei\u00dfeln ausgehandelt. Die europ\u00e4ischen Zeitungen waren voll von Geschichten \u00fcber westliche Gei\u00dfeln aber von libanesischen Gei\u00dfeln war nicht die Rede. Er war mit seinem Fahrzeug mit Diplomatenkennzeichen in das Kampfgebiet im Beqaatal gefahren, um Verwundete aufzunehmen und ist von keiner der k\u00e4mpfenden Parteien angegriffen worden\u201c. Das sind alles nur kleine bruchst\u00fcckhafte Beispiele, erkl\u00e4rt der Gro\u00dfkanzler in seiner zur\u00fcckhaltenden Art, \u201eaber sie lassen erkennen, wie wir arbeiten\u201c.<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42633\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}