{"id":42681,"date":"2014-06-08T14:49:43","date_gmt":"2014-06-08T13:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/auf-der-flucht-vor-verzweiflung-und-angst\/"},"modified":"2023-01-16T15:33:43","modified_gmt":"2023-01-16T14:33:43","slug":"auf-der-flucht-vor-verzweiflung-und-angst","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/auf-der-flucht-vor-verzweiflung-und-angst\/","title":{"rendered":"Auf der Flucht vor Verzweiflung und Angst"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-42681","news","type-news","status-publish","hentry","news_categories-nachrichten"],"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":33330,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/08_06_2014_02.jpg"},"news_content":"<p><strong>Ein Reisebericht nach Lampedusa \u00fcber die Arbeit des freiwilligen Hilfskorps des Malteserordens <\/strong><\/p>\n<p> Von Marianna Balfour<\/p>\n<p>Die Verzweiflung hat ihre Spuren an den Armen von Giada hinterlassen, eine junge sizilianische \u00c4rztin, die sich in Lampedusa als freiwillige Helferin des Malteserordens bei der Hilfe f\u00fcr die Migranten engagiert. Es ist ein Abend im Fr\u00fchling, in der D\u00e4mmerung. Die Luft an Bord der ATR 300 der K\u00fcstenwache ist k\u00fchl und alle haben wir Schutzwesten mit langen \u00c4rmeln an. Wir befinden uns auf einem Motorboot, das den mit Migranten \u00fcberladenen K\u00e4hnen zu Hilfe eilt, um zu h\u00f6ren, was die freiwilligen Helfer zu berichten haben, die sich Tag f\u00fcr Tag mit dem Moment konfrontiert sehen, in dem Angst zu Hoffnung wird, f\u00fcr den, dem sich nach einer langen gefahrenvollen und ersch\u00f6pfenden Reise starke und erfahrene Arme helfend entgegenstrecken. Die H\u00e4matome an den Armen von Giada Bellanca sind das beredte Zeugnis einer menschlichen Erfahrung, die die 33-j\u00e4hrige \u00c4rztin ein Leben lang begleiten werden.<\/p>\n<p>Mit ihr zusammen ist auch Maria Grazia Mazza, auch eine junge \u00c4rztin des italienischen Hilfsdienstes des Malteserordens, die sich entschlossen hat, den wei\u00dfen Arztkittel abzulegen und ihre Zeit denen zu widmen, die \u201evor der Verzweiflung und der Angst\u201c fliehen.<\/p>\n<p>\u201eDeine Augen sind die ersten, in die sie blicken, und in deinen Augen suchen sie Hilfe\u201c, sagte uns die junge sizilianische \u00c4rztin. Sie ist es, die, zusammen mit Krankenpflegern, Spezialisten und Helfern, uns von einer Allt\u00e4glichkeit berichtet, die aus n\u00e4chtlichen Rettungsaktionen, aus improvisierten Spielen mit einem gerade noch dem Tod entronnenen Kleinkind besteht, um es zu beruhigen, die uns von geretteten syrischen \u00c4rzten berichtet, die, sobald sie sich einigerma\u00dfen erholt haben, dem an Bord befindlichen \u00c4rzteteam mit Geschick und K\u00f6nnen helfen.<\/p>\n<p>Hier, in diesem t\u00fcrkisfarbenen Meer, in dem sich um uns herum Delphine tummeln, f\u00e4llt es einem schwer zu glauben, dass sich hier eine Jahrhunderttrag\u00f6die abspielt: zwanzigtausend menschliche K\u00f6rper liegen auf dem Grund dieses wunderbaren Meeres. Die Gefahr, Schiffbruch zu erleiden, h\u00e4lt die Fl\u00fcchtenden nicht davon ab, sich aufs Meer zu wagen. Im Gegenteil, die letzten offiziellen Angaben sind unmissverst\u00e4ndlich: in den ersten Monaten des Jahres 2014 hat sich die Zahl der angelandeten Migranten wegen der anhaltenden Kriegssituation in Syrien und der Lebensumst\u00e4nde in den Regionen der Subsahara um 800% erh\u00f6ht<\/p>\n<p>Die letzte Rettungsaktion der unter den Namen \u201eMare Nostrum\u201c laufenden humanit\u00e4ren Operation, galt  17 Booten und 2.500 Menschen. Sie liegt nur wenige Stunden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Notlage geht der Einsatz des italienischen Hilfskorps des Malteserordens ohne Unterbrechung weiter. Auf jedem Boot der K\u00fcstenwache, des Zolls und der Marine, die als Rettungseinheiten im Einsatz sind, sind ehrenamtliche Helfer mit dem achtspitzigen Kreuz mit an Bord: ein Arzt und ein Krankenpfleger, die den aufgenommenen Migranten Erste Hilfe leisten. Die Arbeit der Helfe des Ordens hat sich mit der Schaffung der Operation Mare Nostrum ver\u00e4ndert: an Bord der seit dem vergangenen M\u00e4rz vor Sizilien kreuzenden Marineeinheiten sind die \u00c4rzte des Ordens wechselweise im Einsatz, genutzte Synergie zwischen den staatlichen Hilfsdiensten  und dem Hilfskorps des Ordens, das mit seinen medizinischen und humanit\u00e4ren Erfahrungen den K\u00fcstenschutz und die Zolleinheiten unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>\u201eWir sehen unsere wesentliche Aufgabe darin, Solidarit\u00e4t zu vermitteln: neben der medizinischen gibt es auch die psychologische Hilfe\u201c, erkl\u00e4rt Mauro Casinghini, der nationale Leiter des Hilfskorps, der inzwischen in Lampedusa sein Zuhause aufgeschlagen hat.<\/p>\n<p>\u201eDiesen Menschen zu helfen, das bedeutet auch, dem eigenen Leben einen Sinn geben. Es bedeutet, ihre Hoffnungen wahrzunehmen, ihre \u00c4ngste zu sp\u00fcren, in ihren Gesichtern zu lesen, was sie durchgemacht haben, was sie jetzt empfinden. Es ist etwas ganz Besonderes, vor allem wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, was sie in ihren Herkunftsl\u00e4ndern erlebt haben, was sie auf dem Fluchtweg erlebt haben, der Hunderte von Kilometern im S\u00fcden von Libyen beginnt, auf dem sich Dramen aller Art abspielen, bis hin zu wirklicher Gewalt\u201c,  sagt Casinghini.<\/p>\n<p>Die freiwilligen Helfer des Malteserordens sind seit 2008 auf der sizilianischen Insel. Seither haben sie etwa 5.000 Menschen helfen k\u00f6nnen, darunter vielen Kindern und schwangeren Frauen. Denkw\u00fcrdig war vor allem der Hilfseinsatz nach dem Schiffbruch vom 3. Oktober 2013, nur wenige Meilen vor der K\u00fcste von Lampedusa, bei dem das \u00c4rzteteam von Psychologen unterst\u00fctzt worden war, die nicht nur den \u00dcberlebenden Beistand leisteten, sondern auch den Helfern, denen sich das Erlebte unausl\u00f6schlich ins Ged\u00e4chtnis gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n","news_gallery":"yes","news_gallery_elements":[{"id":136503,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/08_06_2014_01.jpg"}]},"news_categories":[{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/42681\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}