{"id":43293,"date":"2008-09-20T00:00:00","date_gmt":"2008-09-19T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/die-arzte-des-ordens-bei-den-fluchtlingen-in-georgien\/"},"modified":"2023-01-16T15:43:52","modified_gmt":"2023-01-16T14:43:52","slug":"die-arzte-des-ordens-bei-den-fluchtlingen-in-georgien","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/die-arzte-des-ordens-bei-den-fluchtlingen-in-georgien\/","title":{"rendered":"Die \u00e4rzte des Ordens bei den fl\u00fcchtlingen in Georgien"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":{"0":"post-43293","1":"news","2":"type-news","3":"status-publish","4":"hentry","5":"news_categories-hilfe-fur-fluchtlinge","6":"news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","8":"news_categories-nachrichten"},"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":27385,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2008.09.20-The-Orders-doctors-among-refugees-in-Georgia.jpg"},"news_content":"<p>Die humanit\u00e4re Mission der \u00c4rzte der polnischen Assoziation des Malteserordens wird fortgesetzt. Die \u00c4rzte befinden sich seit dem 14. August in Georgien, wo sie in den Fl\u00fcchtlingslagern in den St\u00e4dten Tiflis und Gori helfen. Hier ist von Anfang an eine Ambulanzstation eingerichtet worden, die einzige \u00e4rztliche Anlaufstelle f\u00fcr die \u00fcber 1700 Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Prof. Marcello Celestini, Gesch\u00e4ftstr\u00e4ge an der Botschaft des Ordens in Tiflis, ist aus Georgien zur\u00fcckgekehrt, wo er Medikamente, Lebensmittel und notwendige Bedarfsg\u00fcter \u00fcbergeben hat. Er hat Marco Bellizi ein Interview f\u00fcr den Osservatore Romano gegeben, das wir nachstehend ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>DIE FL\u00dcCHTLINGSSNOT DER KINDER IN GEORGIEN<\/p>\n<p>Von Marco Bellizi<\/p>\n<p>In Georgien werden Psychologen und Psychiater ben\u00f6tigt, um die Kinder zu betreuen, die infolge der kriegerischen Ereignisse ihre Heimat verlassen mussten. Notwendig ist ein rasches Eingreifen von Europa, weil die Situation noch sehr unsicher ist. Alles ist m\u00f6glich. Mit diesem Appell wendet sich Marcello Celestini, beauftragter Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger des Malteserordens in Georgien, an die italienische \u00c4rzteschaft und die sonst Verantwortlichen, um den Menschen dort Sicherheit zu geben. Celestini, Arzt f\u00fcr Physiatrie, ist soeben aus Georgien zur\u00fcckgekehrt, wo er sich vor allem \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der polnischen Assoziation des Ordens informiert hat, die sich bereits seit dem 14. August dort befindet, und auch \u00fcber die N\u00f6te der Fl\u00fcchtlinge. \u0084Der Orden \u2013 so Celestini \u2013 hat keine politische Position zu diesem Konflikt bezogen. Neutralit\u00e4t ist f\u00fcr uns unerl\u00e4sslich. Aber selbstverst\u00e4ndlich verfolgt der Orden aufmerksam alle Ereignisse, die einen humanit\u00e4ren Einsatz erfordern, sei es dass es sich um kriegerische Konflikte oder um Naturkatastrophen handelt\u0093.<\/p>\n<p>Wie sieht bis jetzt die Bilanz nach dem Einsatz in Georgien aus ?<\/p>\n<p>Ich war beeindruckt von der Organisation dieser Gruppe polnischer Ritter des Malteserordens, die aus einem Koordinator, dem Priester Henrik Blaszczyh, und aus vier \u00c4rzten besteht und die sofort zur Stelle war. Sie haben ihr Quartier in der Botschaft bezogen und haben sich von dort aus organisiert, um den Fl\u00fcchtlingen aus Ossetien und Gori zu helfen, das tagelang von den Russen besetzt war. Die Fl\u00fcchtlinge hatten nichts, gerade mal die Kleidung, die sie am Leib trugen. Sie waren zu Fu\u00df gekommen und hatten in den Vororten von Tiflis Zuflucht gefunden, so etwa in Isani. Es handelt sich um Fl\u00fcchtlinge, die sich als Georgier sehen und die nach der russischen Besetzung geflohen sind. Heute sind es nicht mehr 130.000 wie in den ersten Tagen, weil viele nach der Befreiung von Gori wieder dorthin zur\u00fcckgekehrt sind. Es bleibt jedoch noch eine erhebliche Anzahl von Fl\u00fcchtlingen \u2013 ohne dass eine genauere Zahl genannt werden k\u00f6nnte \u2013 die aus Ossetien und den noch von den Russen besetzten Gebieten stammen. Ihnen mangelt es praktisch an allem.<\/p>\n<p>In welchem gesundheitlichen Bereich besteht derzeit der gr\u00f6\u00dfte Mangel ?<\/p>\n<p>\u00dcberwiegend handelt es sich um Erkrankungen der Atemwege, Erk\u00e4ltungskrankheiten und, vor allem bei den Kindern, um Befall durch Parasiten. Dann um Traumatisierungsbefunde nach der Flucht aus der Heimat, um Schockerlebnisse nach Bombardierung und Zerst\u00f6rung. Ich habe mit jungen georgischen \u00c4rzten gesprochen, die mich gebeten haben, einen Appell an Italien zu richten, weil es an \u00e4rztlichem Personal fehlt, das in Jugendpsychologie und Jugendpsychiatrie spezialisiert ist. Die Hilfe von Freiwilligen w\u00e4re w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>Wie ist das allgemeine Verhalten der Kriegsfl\u00fcchtlinge ?<\/p>\n<p>Ich muss sagen, dass das Verhalten der Menschen, denen ich in den Fl\u00fcchtlingslagern begegnet bin, beispielhaft ist. Sie haben nichts mehr, aber sie zeigen untereinander ein solidarisches Verhalten und versuchen sich gegenseitig zu helfen. Die humanit\u00e4re Hilfe liegt in den H\u00e4nden der Caritas, die sehr gut organisiert ist und mit zahlreichen freiwilligen Helfern vor Ort den tats\u00e4chlichen Hilfsbedarf ermittelt. In Georgien gibt es keine Matratzen, Liegen, Schlafs\u00e4cke, Leint\u00fccher, Handt\u00fccher, Waschsch\u00fcssel, Seife, Reinigungsmittel, Zahnpasta. Es fehlen Teller und Gl\u00e4ser. Besonders fehlt es nat\u00fcrlich an Medikamenten, die, wie ich hervorheben m\u00f6chte, die polnischen Malteserritter effizient einsetzen. Es besteht auch ein Bedarf an Wassermatratzen, um Dekubituserkrankungen vorzubeugen. Die Hilfe des Malteserordens war \u00e4u\u00dferst zielgerichtet. Die Mitarbeiter haben zun\u00e4chst Verbindungen zu den Leitern der Fl\u00fcchtlingslager aufgenommen, um sie ihrer Hilfe zu versichern. In den ersten Tagen haben sie bis zu 150 Besuche in den Lagern abgestattet und sp\u00e4ter dann 10 bis 15 t\u00e4glich. Es war ein sehr professionell durchgef\u00fchrter und allgemein anerkannter Einsatz, der auch von dem ad hoc eingesetzten georgischen Fl\u00fcchtlingsminister gew\u00fcrdigt worden ist. Hervorzuheben ist besonders die Pr\u00e4senz in Gori, in der gro\u00dfen Zeltstadt, die dort nach dem Abzug der Russen eingerichtet worden ist, und in allen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften der Stadt. F\u00fcr die Behandlung der Kinder wurden ortsans\u00e4ssige Kinder\u00e4rzte angeworben, was sehr hilfreich war. Das italienische Rote Kreuz k\u00fcmmerte sich um die Ern\u00e4hrung der Fl\u00fcchtlinge mit ca. 9000 Mahlzeiten t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Wie beurteilen sie die internationale Hilfe ?<\/p>\n<p>Die Arbeit von Alessandra Morelli, der Leiterin der Mission der Vereinten Nationen, die f\u00fcr die Kontrolle und die Sicherheit im Fl\u00fcchtlingslager in Gori zust\u00e4ndig war, ist sehr hoch einzusch\u00e4tzen. Problematisch war hier der Alkoholismus bei M\u00e4nnern und Jugendlichen. Wichtig f\u00fcr das Zusammenleben in der Zeltstadt ist auch die Einrichtung einer orthodoxen Kapelle, in der ein Geistlicher jeden Tag Gottesdienst h\u00e4lt. Dabei darf nicht \u00fcbersehen werden, dass die russischen Kontrollposten nur vier Kilometer entfernt sind, denen ein beachtliches Kontingent georgischer Truppen gegen\u00fcbersteht. Es gibt keinen humanit\u00e4ren Durchlass. Lediglich dem orthodoxen Bischof von Gori wird ein Durchgang f\u00fcr Hilfeleistung gestattet. Weder f\u00fcr die Vereinten Nationen noch f\u00fcr sonstige Organisationen ist derzeit ein Durchkommen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ist die Hilfe rasch angelaufen ?<\/p>\n<p>Rasch und jetzt auch umfangreich. Ein Flugzeug des polnischen Pr\u00e4sidenten hat f\u00fcr uns gro\u00dfe Mengen an Hilfsg\u00fctern eingeflogen. Die Aufgabe besteht jetzt darin, diese Hilfsg\u00fcter mit Augenma\u00df und rationell zu verteilen. Die Dinge sind vorl\u00e4ufig noch sehr im Fluss. Es ist derzeit noch nicht einzusch\u00e4tzen, wie sich der Konflikt weiter entwickeln wird, auch wenn sich die internationale Diplomatie inzwischen sehr um ein L\u00f6sung bem\u00fcht. Wir warten jetzt auf den Einsatz von europ\u00e4ischen Friedenstruppen.<\/p>\n<p>Haben Sie Informationen \u00fcber Misshandlungen oder Unterdr\u00fcckung der Bev\u00f6lkerung ?<\/p>\n<p>Nicht direkt. Sicherlich gab es im Kampfgebiet solche F\u00e4lle. Mir ist berichtet worden, dass noch zwei Wochen nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten Leichen in Brotback\u00f6fen verbrannt worden sind. Der Respekt vor den Toten war sicherlich nicht immer gegeben. Andererseits habe ich aber auch geh\u00f6rt, dass im besetzten Gori ein Konvoi der Caritas mit Brot durchgekommen ist, das sowohl an die Bev\u00f6lkerung wie auch an die russischen Soldaten verteilt werden konnte. Wie so h\u00e4ufig, so zeigt sich auch wieder, dass der einfache Soldat doch oft anders ist als die milit\u00e4rische F\u00fchrungsspitze.<\/p>\n<p>Wie ist das Verh\u00e4ltnis zur \u00fcberwiegend orthodoxen Bev\u00f6lkerung ?<\/p>\n<p>Dem Leiter der Mission, Pater Henrik, und dem verantwortlichen Arzt ist es auf sehr sensible und kluge Weise gelungen, Verbindung zu den Fl\u00fcchtlingsgruppen der Stadt Tiflis aufzunehmen. Sie konnten vermitteln, dass ihre Anwesenheit ausschlie\u00dflich humanit\u00e4re Hilfe zum Ziel hatte. Und diese l\u00e4chelnd \u00fcbermittelte Botschaft ist von den Fl\u00fcchtlingen gut aufgenommen worden, vor allem von deren Wortf\u00fchrern. Die humanit\u00e4re Mission ist gestern beendet worden. Sie hat ein starkes Zeugnis f\u00fcr den Geist und das Charisma des Ordens hinterlassen. Wir bringen den Dank derjenigen mit, die im achtspitzigen Kreuz ein Symbol f\u00fcr Humanit\u00e4t und Achtung vor den Armen gesehen haben. Tuitio fidei et obsequium pauperum, wie unser Motto lautet.<\/p>\n<p>(\u00a9L\u2019Osservatore Romano 13 September 2008)<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":126,"name":"Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge","slug":"hilfe-fur-fluchtlinge","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/hilfe-fur-fluchtlinge\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/43293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/43293\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}