{"id":43367,"date":"2007-10-03T00:00:00","date_gmt":"2007-10-02T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/news\/der-malteserorden-im-libanon-hilfe-fur-eine-von-gewalt-bedrangte-nation\/"},"modified":"2023-01-16T15:45:13","modified_gmt":"2023-01-16T14:45:13","slug":"der-malteserorden-im-libanon-hilfe-fur-eine-von-gewalt-bedrangte-nation","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten\/der-malteserorden-im-libanon-hilfe-fur-eine-von-gewalt-bedrangte-nation\/","title":{"rendered":"Der Malteserorden im Libanon: hilfe f\u00fcr eine von gewalt bedr\u00e4ngte nation"},"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":{"0":"post-43367","1":"news","2":"type-news","3":"status-publish","4":"hentry","5":"news_categories-aktuelle-einsatze","6":"news_categories-hilfe-fur-fluchtlinge","7":"news_categories-humanitare-und-medizinische-werke","9":"news_categories-nachrichten"},"acf":{"highlighted":"no","news_cover":{"id":26746,"url":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/03_10_2007_01.jpg"},"news_content":"<p>Bericht eines Augenzeugen<\/p>\n<p>Im Land der Zedern, in dem Arme, Kinder und Alte noch unter den Folgen des letzten Konflikts leiden, hat der Soziologe und unabh\u00e4ngige Berichterstatter Leandro Abeille die effiziente Arbeit des Malteserordens bei der Hilfe f\u00fcr die Notleidenden beobachtet. In zehn medizinischen Zentren hilft der Orden hier allen, die in Not sind und Hilfe bed\u00fcrfen, ohne Unterschied der Herkunft oder Religion. Sein Artikel ist in der Aprilnummer von \u0084Polizei und Demokratie\u0093 erschienen.<\/p>\n<p>Von Leandro Abeille<\/p>\n<p>Der Libanon ist eine der Regionen, in denen bewaffnete Auseinadersetzungen t\u00e4gliche Wirklichkeit sind. Der Krieg nimmt auf niemand R\u00fccksicht, er trifft alle, Reiche wie Arme, Kinder und Alte, aber vor allem letztere sind es, die am meisten zu leiden haben. Sie leiden, weil niemand sie tr\u00f6stet, niemand Ihre Wunden heilt und es ist tragisch, dass sich bei den st\u00e4ndigen Bombardierungen kein Freund findet, der hilft.<\/p>\n<p>Seit 1975 hat der Malteserorden, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, im Kriegsgebiet 10 medizinisch-soziale Zentren er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich noch \u00fcber diese banale Wahrheit gr\u00fcble sto\u00dfe ich auf die Geschichte der weltweit bekannten Hospitaliers. Im Libanon haben die Malteserritter seit 1975 allein w\u00e4hrend der kriegerischen Konflikte und in den Kriegsgebieten zehn medizinisch-soziale Zentren finanziert und er\u00f6ffnet. Diese Zentren liegen verstreut vom Norden bis in den S\u00fcden des Landes. Sie bieten allen medizinische Hilfe, von der Erst-Hilfe \u00fcber Allgemeinmedizin bis hin zur Spezialmedizin. Sie arbeiten rundum, insbesondere in Kriegszeiten, so lange es irgendwie geht. Beim letzten Angriff durch Israel ist das Malteserkrankenhaus von Yaroun, s\u00fcdlich des Flusses Litani, bombardiert und zerst\u00f6rt worden. Erst wenige Stunden zuvor war es ger\u00e4umt worden.<\/p>\n<p>Joint Venture mit der islamischen Stiftung Imam Sadr.<\/p>\n<p>Um die Zentren betreiben zu k\u00f6nnen, arbeiten die Malteser eng mit lokalen Hilfseinrichtungen und deren Personal zusammen. Meistens handelt es sich dabei um katholische Einrichtungen. Nur im Gebiet von Tiro hat man ein Joint Venture mit der islamischen Stiftung Imam Sadr abgeschlossen. Der Kostenaufwand f\u00fcr diese libanesischen Zentren bel\u00e4uft sich unter Friedensbedingungen auf ca. 2 Millionen Dollar j\u00e4hrlich, die zu 80% vom Orden finanziert werden und hinsichtlich des verbleibenden Restes durch Eigenfinanzierung. Man ist also unabh\u00e4ngig von \u00f6ffentlichen Zuwendungen.<\/p>\n<p>Indem man auf lokale Hilfskr\u00e4fte baut, will man auch die lokale Wirtschaft unterst\u00fctzen.<br \/>\nAnders als fast alle NGOs und viele internationale Organisationen, sind die Malteser bestrebt, einheimische Mitarbeiter anzuwerben und den ausl\u00e4ndischen Mitarbeiterstab so gering wie m\u00f6glich zu halten. Dieses System mag zwar entt\u00e4uschen, wer ein internationales Volontariatanstrebt, hat aber andererseits eine Kosteneffizienz, das es beispielhaft sein l\u00e4sst. Die Vorteile sind vielfach. Die Kosten f\u00fcr Anreise, Versicherungen und allgemeine Sicherheit der ausl\u00e4ndischen Mitarbeiter halbieren sich, kulturelle Anpassungsschwierigkeiten werden vermieden und indem einheimische Mitarbeiter gewonnen werden wird zugleich auch die lokale Wirtschaft gef\u00f6rdert und das ohnehin fragile \u00f6rtliche Marktsystem nicht gest\u00f6rt. Nur wenn ein Kompetenzmangel besteht werden Spezialkr\u00e4fte entsandt.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie wertvoll die Mitwirkung einheimischer Mitarbeiter ist, ist meine F\u00fchrerin zu den Zentren der Malteser: eine junge 28-j\u00e4hrige Libanesin, die seit zwei Jahren f\u00fcr den Malteserorden arbeitet. Nach einem Wirtschaftsstudium und dem Master in Business Administration ist sie es, die die zehn Zentren mit dem achtspitzigen Kreuz leitet. Freundlich und professionell vertritt sie den Orden im Verh\u00e4ltnis zum \u00e4rztlichen Personal und zu den Hilfseinrichtungen. Sie arbeitet zehn, zw\u00f6lf Stunden am Tag und das an sieben Tagen in der Woche. Neben der Landessprache spricht sie noch Englisch und Franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p>Medizinische Hilfe im Niemandsland<\/p>\n<p>Unsere Reise f\u00fchrt uns nach Ain el Remmaneh. Das Zentrum ist 1989 er\u00f6ffnet worden. \u00dcber Jahre hin hat es Kranke in einem Niemandsland aufgenommen, in einer Pufferzone zwischen Christen und Moslems, zu einer Zeit, in der die Zugeh\u00f6rigkeit zu der einen oder anderen Gruppe bedeutete, sich gegenseitig umzubringen. Heute ist das Zentrum ein Lichtblick in der \u00f6rtlichen medizinischen Landschaft. Es ist ein Zentrum f\u00fcr Diabetologie, verf\u00fcgt \u00fcber Spezialisten in Kardiologie, Angiologie, f\u00fcr innere Medizin, f\u00fcr HNO-Erkrankungen, Augenerkrankungen, Dermatologie, Gyn\u00e4kologie, P\u00e4diatrie, Endokrinologie, Onkologie und sogar f\u00fcr Di\u00e4tetik, Psychiatrie, Psychologie und Physiotherapie. S\u00e4mtliche \u00c4rzte und \u00e4rztlichen Hilfskr\u00e4fte sind Libanesen. Die Leitung hat eine Schwester der Schwesternschaft der \u0084Barmherzigen Schwestern\u0093. Das Zentrum verf\u00fcgt auch \u00fcber entsprechend moderne Laboreinheiten.<\/p>\n<p>Die Politik des Ordens ist es, den einzelnen nach seinen jeweiligen M\u00f6glichkeiten an den Aufwendungen zu beteiligen.<\/p>\n<p>Vergleicht man die luxuri\u00f6sen Hotels und gro\u00dfen Bankpal\u00e4ste von Beirut mit dem Sitz des Ordens, so k\u00f6nnte man meinen, dass eine humanit\u00e4re medizinische Einrichtung eigentlich unn\u00fctz ist. Nichts w\u00e4re falscher als dieser Schluss. Die wenigen Reichen hier sind steinreich, aber die Armen, die sind wirklich arm und es gibt unendlich viele davon.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu anderen karitativen Organisationen sieht das wirtschaftliche Konzept des Ordens so aus, dass der Patient sich nach seinen jeweiligen wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten an den Kosten beteiligt. Dadurch wird ein Minimum an Eigenfinanzierung f\u00fcr bestimmte Aktivit\u00e4ten erzielt und ein System von Bevorzugung vermieden.<\/p>\n<p>Am medizinischen Zentrum des Ordens kostet eine gyn\u00e4kologische Untersuchung 7 Euro, w\u00e4hrend sich die Durchschnittskosten im Libanon bei 50 Euro bewegen. Die meisten zahlen den vollen Preis, die weniger Bemittelten zahlen die H\u00e4lfte und wer nichts hat, zahlt nichts. Die \u00c4rzte sind einheimisch und sie wissen genau wer wirklich arm ist und wer \u0084schwindelt\u0093.<\/p>\n<p>\u0084Freund von einem Freund\u0093 zu sein, zieht nicht. Dar\u00fcber wacht das aufmerksame Auge der franz\u00f6sischen Schwester, der nichts entgeht. Zum Nachweis der Ausgewogenheit dieses Systems (und der Wirksamkeit der \u00dcberwachung durch die Schwester) m\u00f6gen die Zahlen sprechen: 2006 hat das Zentrum f\u00fcr 11.000 Patienten 29846 Leistungen erbracht. Davonwaren 1327 kostenlos und 3311 wurden zum halben Preis erbracht, woraus sich ergibt, dass 6000 Patienten den regul\u00e4ren vollen Preis bezahlt haben.<\/p>\n<p>In Italien sind die Malteser bekannt f\u00fcr ihre Einrichtungen zur Rehabilitation der Motorik. Im Libanon finanzieren sie ein Zentrum zur Rehabilitation von Kindern. Das Zentrum befindet sich in der h\u00fcgeligen Landschaft oberhalb von Beirut, in ruhiger Umgebung im Gr\u00fcnen. Die Architektur seiner Geb\u00e4ude erinnert an die wundersch\u00f6ne American University. Es wird geleitet von Schwester Maria Genevi\u00e8ve.<\/p>\n<p>Im Zentrum Zouk Mikael haben 92 Kinder Aufnahme gefunden. Es handelt sich um autistische Kinder und Kinder mit psychomotorischen Problemen. 38 von ihnen sind station\u00e4r untergebracht und 54 halbtags. Das Betreuungspersonal besteht aus 65 Personen, \u00fcberwiegend Hilfskr\u00e4ften, Lehrer, Krankenpfleger, ein Arzt, ein Psychologe, ein Sozialarbeiter, 4 Physiotherapeuten, 2 Logop\u00e4den, 2 Psychomotorikern und 2 Orthop\u00e4den. Alle sind Libanesen. Die Strukturen sind erstklassig, angefangen von den p\u00e4dagogischen Computerprogrammen \u00fcber Schwimmeinrichtungen bis hin zu den Ger\u00e4ten f\u00fcr Physiotherapien.<\/p>\n<p>Die Kinder besuchen eine interne Schule mit eigenem Lehrpersonal und erhalten die erforderlichen therapeutischen Anwendungen zur Rehabilitation.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kinder, die die Einrichtung nur halbtags besuchen, endet der Tag um 14h. Die anderen erhalten eigene Badeanwendungen und werden von ihren M\u00fcttern umsorgt. Sicher ist diese Einrichtung nicht das Paradies auf Erden. Es ist ein Ort der Verzweiflung und des Leidens, aber \u00e4u\u00dferst gepflegt und die Mitarbeiter und Pfleger gehen liebevoll mit den kleinen Patienten um. Die Kinder f\u00fchlen sich sichtlich wohl und reagieren fr\u00f6hlich auf meine Grimassen.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte das logistische und verwaltungstechnische System der Malteser auch auf andere Einrichtungen dieser Art angewendet werden.<\/p>\n<p>Das Hospital und das Rehabilitationszentrum sind seltene Perlen in der Krisenregion der libanesischen Gesundheitslandschaft. In den medizinischen Zentren des Malteserordens f\u00fchlt man sich wie in einem guten europ\u00e4ischen Krankenhaus, mit denselben professionellen und hygienischen Standards. Die Patienten sind hier nicht irgendwelche Leute, die man \u0084irgendwie versorgen\u0093 muss, Verzweifelte, die irgendwie \u00fcberleben m\u00fcssen, sondern sie sind hier die \u0084Herren Kranken\u0093, wie sie schon vor tausend Jahren in den Hospit\u00e4lern der Johanniter bezeichnet wurden. Ein beachtlicher Unterschied.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte das logistische und verwaltungstechnische System, das der Malteserorden in seinen Einrichtungen praktiziert auch in andere NGOs Eingang finden. Vielleicht ist es ein anderer Geist, vielleicht ist es die Tradition, Tatsache aber ist, dass es funktioniert.<\/p>\n","news_gallery":"no","news_gallery_elements":false},"news_categories":[{"id":116,"name":"Aktuelle Eins\u00e4tze","slug":"aktuelle-einsatze","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/aktuelle-einsatze\/"},{"id":126,"name":"Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge","slug":"hilfe-fur-fluchtlinge","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/hilfe-fur-fluchtlinge\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":120,"name":"Humanit\u00e4re und medizinische Werke","slug":"humanitare-und-medizinische-werke","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/humanitare-und-medizinische-werke\/"},{"id":115,"name":"Nachrichten","slug":"nachrichten","description":"","link":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/nachrichten-kategorien\/nachrichten\/"}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/43367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/notizie\/43367\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orderofmalta.int\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}