Nach den beiden verheerenden Erdbeben an der Westküste Venezuelas, die zu zahlreichen Einstürzen geführt haben, ist die Lage im gesamten Land äußerst kritisch. Neben einer dramatischen Bilanz von derzeit 2.595 Todesopfern, 12.400 Verletzten und mehr als 38.000 Vermissten gibt es landesweit etwa 12.000 Vertriebene und fast 59.000 beschädigte oder zerstörte Gebäude. Der Bundesstaat La Guaira wurde offiziell zum Katastrophengebiet erklärt. Das Land sieht sich mit dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Strom- und Kommunikationsausfällen sowie einem Stillstand des Verkehrswesens konfrontiert. Letzteres ist auch auf die Schließung des internationalen Flughafens „Simón Bolívar“ zurückzuführen.
Seit Beginn der Krise haben sich zahlreiche Einrichtungen des Malteserordens mobilisiert, um eine integrierte humanitäre Hilfsaktion zur Unterstützung der betroffenen Gemeinden auf die Beine zu stellen. Die internationale Hilfsorganisation des Ordens, Malteser International, hat 250.000 Euro für erste Hilfsmaßnahmen bereitgestellt und ein Notfallteam vor Ort entsandt. Dieses arbeitet eng mit der deutschen Botschaft, der venezolanischen Assoziation des Malteserordens, der Caritas Venezuela und den lokalen Behörden zusammen. Im Gesundheitsbereich hat das Team die Krankenhäuser Hospital Ortopédico und Hospital Domingo Luciani in Caracas inspiziert, um den dringenden Bedarf zu ermitteln. Dieser wird dadurch verschärft, dass viele Krankenhäuser ohne Strom sind und es an Krankenwagen.
Um der dramatischen Überlastung der örtlichen Krankenhäuser entgegenzuwirken, entsendet Malteser International in enger logistischer Abstimmung mit der venezolanischen Assoziation des Ordens mobile medizinische Einheiten. Diese werden drei Monate lang eine dezentrale und kontinuierliche medizinische Versorgung in den am stärksten betroffenen Gemeinden gewährleisten. Zudem sorgt Malteser International für den Versand von Medikamenten und medizinischem Material aus Deutschland, um die gravierenden strukturellen Engpässe in der Krisenregion zu beheben. An dieser Initiative beteiligen sich zwei erfahrene Ärzte aus dem Pool von Malteser International. Sie sind in das medizinische Notfallteam aus 27 Spezialisten der Johanniter-Unfall-Hilfe integriert. Die venezolanische Assoziation kümmert sich zudem um die direkte Verteilung von Hilfsgütern des täglichen Bedarfs, wie Trinkwasser und Kleidung.
Die internationale Solidarität führte zur sofortigen Mobilisierung der verschiedenen nationalen Assoziationen und Hilfsorganisationen durch Fundraising und die Entsendung von Hilfsgütern.
In Italien engagiert sich das CISOM (Italienisches Rettungskorps des Malteserordens) aktiv bei der Sammlung von Finanzmitteln. Diese sollen den Einsatz von medizinischem und technischem Fachpersonal ermöglichen sowie die Verteilung von medizinischem Material und Hilfsgütern und die Stärkung der Koordination mit den anderen vor Ort tätigen internationalen Organisationen gewährleisten. Gleichzeitig ist ein erstes Team auf dem Weg ins Land, um mit der Lagebeurteilung zu beginnen.
Der „Orden de Malta España“ hat in Spanien die Spendenkampagne „Emergencia Venezuela“ ins Leben gerufen, um die allgemeine humanitäre Reaktionsfähigkeit unmittelbar nach den Erdbeben zu stärken.
Aus Lateinamerika treffen weitere wichtige Hilfsgüter ein. So hat die Assoziation des Ordens in Uruguay eine flächendeckende Sammlung von Notfallmaterialien und -ausrüstung für Krankenhäuser organisiert. Dazu gehören Kochsalzlösungen, Sets für intravenöse Zugänge, Mull, Verbände und Nahtmaterial sowie unverzichtbare Medikamente wie Anästhetika, Antibiotika und Tetanusprophylaxe. Darüber hinaus wurden Vorräte an haltbaren Lebensmitteln, Wasser und Milchpulver gesammelt. Die kubanische Assoziation des Malteserordens hat sich in Zusammenarbeit mit der CAMACOL und der venezolanischen Assoziation mobilisiert, um den am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen in der Region La Guaira dringende und gezielte medizinische und humanitäre Hilfe zu leisten. In El Salvador hat der Orden die Solidaritätskampagne „Combo Solidario“ ins Leben gerufen, um Spenden für die Versorgung der venezolanischen Bevölkerung zu sammeln. Die Botschaft des Ordens in Panama und Malteser International Americas konzentrieren sich derzeit auf die Förderung von Spendenkampagnen zur Unterstützung der Nothilfe.
Die logistische und operative Koordination zwischen den verschiedenen internationalen Organisationen und den lokalen Strukturen gewährleistet in dieser äußerst kritischen Phase eine integrierte Steuerung der Hilfsströme. Während die Nothilfemaßnahmen vor Ort fortgesetzt werden, gelten die Verbundenheit und die Gebete des gesamten Malteserordens den vom Erdbeben betroffenen Gemeinden.





