Der Großkanzler des Malteserordens empfängt den libanesischen Außenminister
Rom, 13. Mai 2026 – Der Großkanzler des Malteserordens, Riccardo Paternò di Montecupo, empfing heute im Magistralpalast in Rom den libanesischen Außenminister Youssef Raggi. Das Treffen bekräftigte die tiefen historischen und diplomatischen Bindungen zwischen dem Orden und dem Libanon, die 1953 aufgenommen wurden und sich seitdem über siebzig Jahre hinweg gefestigt haben. Als Zeugnis dieser tiefen und dauerhaften Verbindung wurde an die bedeutsame Teilnahme der First Lady des Libanon, Nehmat Aoun, an der jüngsten internationalen Pilgerreise des Ordens nach Lourdes erinnert.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die dramatische humanitäre Lage im Libanon infolge der Eskalation des Konflikts im März 2026: Bis heute zählt das Land über 2.800 Opfer und etwa 1,2 Millionen Vertriebene, was einem Fünftel der Bevölkerung entspricht. Auch in dieser Krise hat der Malteserorden durch vielfältige Aktivitäten intensiv gearbeitet – dank des Engagements und der Hingabe seiner Mitglieder, Freiwilligen und Mitarbeiter.
Minister Raggi brachte seine große Dankbarkeit für das wertvolle Wirken des Malteserordens zum Ausdruck: „Ihr wart immer da, um zu helfen, aber jetzt ist euer Einsatz wirklich wichtig. Vielen, vielen Dank.“ Zudem drückte er sein tiefes Beileid zum Verlust von Chadi Ammar aus, einem jungen Mitarbeiter des Malteserordens im Libanon, der bei einem Luftangriff im Süden des Landes ums Leben kam.
Der Großkanzler bekräftigte die Verbundenheit des Ordens mit dem libanesischen Volk und den libanesischen Institutionen. Dies wurde kürzlich auch in einem Schreiben an Premierminister Nawaf Salam zum Ausdruck gebracht. „Der Malteserorden ist dem Libanon und dem Heiligen Land besonders verbunden“, betonte der Großkanzler und fügte hinzu: „Wir werden unser Engagement im Dienst und zur Unterstützung des Landes beharrlich fortsetzen und uns zudem für die Bewahrung der religiösen, ethnischen und kulturellen Vielfalt und Pluralität einsetzen.“
Minister Raggi rief dazu auf, die Unterstützung für die christlichen Dörfer im Süden – dem pulsierenden Herzen der Identität des Landes – zu verstärken: „Ihre materielle und technische Unterstützung gibt der Bevölkerung Kraft und Zuversicht. Es ist von grundlegender Bedeutung, diese Arbeit fortzusetzen, um das libanesische Modell des Zusammenlebens zu bewahren. Denn ohne eine freie Präsenz der Christen im Land wird dieses Modell nicht zu realisieren sein.“
Trotz der strengen Zugangsbeschränkungen und der Einrichtung der sogenannten „Gelben Linie“ im Süden gehen die humanitären Aktivitäten des Malteserordens im Libanon ununterbrochen weiter. Seit Beginn des Konflikts hat der Orden seine Bemühungen im Land intensiviert, Hilfe in 88 Notunterkünften für Vertriebene gewährleistet und über 15.000 medizinische Behandlungen sowie 11.000 Leistungen im Bereich der Pharmazie für die Bevölkerung, die ins Landesinnere geflohen ist, erbracht. Auch im Bereich der Nahrungsmittelversorgung ist das Engagement enorm: Es wurden 54.000 warme und mehr als 74.000 kalte Mahlzeiten sowie Snacks verteilt und 1.400 Kits mit Bildungs- und psychosozialer Unterstützung für Kinder ausgeliefert. Zu den jüngsten Initiativen zählt der Erfolg des fünften humanitären Konvois, der am 8. Mai die Gelbe Linie überquerte. Er bestand aus fünf Lastwagen und versorgte über 10.000 isolierte Menschen in Grenzdörfern wie Rmeich, Ain Ebel und Debel mit Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln.
Sechzig Jahre Dienst im Land
Die Libanesische Assoziation des Malteserordens (auch bekannt als „Malteserorden im Libanon”) engagiert sich seit Jahrzehnten für die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen des Landes – unabhängig von ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit – und hält dabei höchste Qualitätsstandards ein. Durch ein Netzwerk aus 60 Projekten und Programmen – darunter 12 Gesundheitszentren, 12 mobile medizinische Einheiten, 7 agro-humanitäre Zentren, 3 mobile Gemeinschaftsküchen und 2 Aufnahmezentren für Menschen mit Behinderungen – leistet der Malteserorden im Libanon unverzichtbare medizinische, soziale und landwirtschaftliche Hilfe für Menschen in Not. Als unpolitische, neutrale und unparteiische Organisation ist er in den Prinzipien der Würde, Solidarität und des Dienstes verwurzelt. Seine Mission geht über die Nothilfe hinaus, um langfristige Resilienz und Inklusion zu fördern. Der Malteserorden arbeitet im Libanon nach einem Modell der interreligiösen und interinstitutionellen Zusammenarbeit. Er unterhält enge Partnerschaften mit den libanesischen Streitkräften und der UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon), deren Mandat voraussichtlich Ende 2026 ausläuft.





